Wasserprojekt in Äthiopien

Einen Tag nach dem Zwischenseminar ging es für mich endlich wieder von Kigali aus in mein geliebtes Äthiopien. Das erste Mal jedoch für mich während der Regenzeit, sodass ich nun auch selbst erfahren habe, wie unglaublich kalt es, vor allem in Addis, sein kann. Dieser Aufenthalt in Äthiopien unterschied sich, abgesehen von der Terminierung, auch sonst ziemlich von meinen bisherigen Reisen. Es war meine erste Reise ohne Bezabeh und im Fokus stand dieses Mal nicht das Schulprojekt, sondern das Wasserprojekt von „Engineers without Borders (EWB)“ der Uni Karlsruhe. Da meine Zeit diesmal stark begrenzt war, da viel Zeit für das Wasserprojekt eingeplant war, hatte ich von Beginn an immer einen vollen Terminplan. Dennoch konnte ich leider nicht allen Einladungen folgen und konnte so ein paar meiner Freunde nur kurz oder gar nicht treffen. Da zum Zeitpunkt meiner Anwesenheit noch Schulferien in Äthiopien waren, begrenzte sich mein Projektbesuch in Abosto auch nur auf die Besichtigung der neuen Schulräume. Der Bau ist nun abgeschlossen und die neuen Räume können jetzt nach den Schulferien genutzt werden. Da ich dies vor meinem Flug nicht berücksichtig hatte, war ich etwas enttäuscht, denn ich hätte sehr gerne ein wenig Zeit mit den Kindern verbracht. Auf einen Besuch in Arba Minch, dem alten Projektstandort, musste ich aus zeittechnischen Gründen leider ganz verzichten.

Dieses Mal war es mir aber zum ersten Mal möglich, das äthiopische Neujahr mitzuerleben. Äthiopien folgt einer Variante des koptischen Kalenders und liegt damit im Vergleich zu unserem gregorianischen Kalender 7 Jahre und 8 Monate hinterher. Das Kalenderjahr beginnt am 11., beziehungsweise im Jahr vor einem Schaltjahr am 12. September.  Außerdem umfasst das äthiopische Jahr 13 Monate, wobei die ersten 12 jeweils 30 Tage umfassen und der 13., der Schaltmonat, hingegen nur 5 bzw. 6 Tage dauert. So feierten die Äthiopier am 12.09. das neue Jahr 2010. Es ist nicht üblich, dass man bis Mitternacht wartet, um ins neue Jahr zu feiern. Vielmehr steht der erste Neujahrstag im Zeichen der Familie und reichlich Essen. Die Familie kommt zusammen und isst den ganzen Tag über allerlei äthiopische Köstlichkeiten, die schon Tage vorher mühevoll vorbereiten werden. Gerade um diese Zeit wird viel geschlachtet, denn Fleisch ist enorm teuer und wird bei vielen Familien nur an diesen besonderen Feiertagen serviert. Mein Tag startete bereits mit einem sehr leckeren und deftigen Frühstück zu Hause bei Bezabeh in Hawassa, das seine Partnerin (Zewdenesch) vorbereitet hatte. Anschließend habe ich mich auf den Weg zu meiner Freundin Theras gemacht, die mich zum Essen eingeladen hatte. Es gab unglaublich viel „Injera“, das traditionelle äthiopische Brot und ein weiteres frisch gebackenes Festtagsbrot. Dabei wurde „Doro Wot“ serviert, Hühnchen mit Ei in scharfer Soße. Theras hatte auch extra ein spezielles Getränk aus Gerste zubereitet, das typischerweise in Äthiopien an Feiertagen verzehrt wird. Da ich letztes Jahr eine ziemlich böse Erfahrung nach dem Verzehr gesammelt hatte, musste ich lachend erklären, dass ich mich dieses Mal nicht traue, ein Glas zu trinken. Mir wurde nämlich schon bei dem Geruch ziemlich schlecht. Nach dem Essen durfte natürlich die traditionelle äthiopische Kaffeezeremonie nicht fehlen. Zu diesem Anlass hatte Theras ihr ganzes Zimmer hübsch geschmückt. Ich war schon ziemlich voll gefuttert, als ich mich wieder auf den Rückweg machte, um einer weiteren Einladung zu folgen. Ich machte mich mit Zewdenesch auf den Weg zu ihrer Schwester, die mit ihrer Familie in Shashemene lebt. Hier wurden wir sehr herzlich begrüßt und, wie sollte es bei der großen äthiopischen Gastfreundlichkeit anders sein, zum Essen eingeladen. Da alle immer sehr um das leibliche Wohl ihrer Gäste bemüht sind, ist es immer ziemlich schwer, das Essen abzuschlagen. Aber da ich schon ziemlich satt war, passte wirklich nichts mehr in meinen Bauch. Aber genau diese Gastfreundlichkeit und die Herzlichkeit sowie Offenheit der Menschen, sind genau das, was ich so sehr an diesem Land liebe. Nach einem schönen Nachmittag bei der Familie ging es für uns zurück nach Hawassa und weiter zu unseren Nachbarn, die ebenfalls schon mit einem reichhaltigen Mal auf uns gewartete haben. An diesem Abend bin ich tot müde und absolut zufrieden und vollgestopft ins Bett gefallen.

Meine Freundin Theras

Traditionelle Kaffeezeremonie

 

Während der Tage, die ich am Wasserprojekt mitarbeiten durfte, habe ich wohl die bisher intensivsten und prägendsten Erfahrungen in einem bisherigen Leben gesammelt. Im ersten Schritt ging es für Felix, Paul und mich auf nach Jello, ein kleines ziemlich abgelegenes Dorf, indem die studentische Arbeitsgruppe von EWB Karlsruhe im Jahr 2016 ein Wasserprojekt erfolgreich implementieren konnte. Felix war damals der Manager des Wasserprojektes und Paul schon ein wichtiges Mitglied der Arbeitsgruppe.

Fahrt nach Jello

Damals wurde der gebohrte Brunnen mit einer Solarpumpe ausgestattet, die dazu notwendige Solartechnik installiert, Wasserleitungen verlegt, ein Gebäude für die Elektronik und die Hochtanks konstruiert und Zapfstellen eingerichtet. Nach dem Abschluss des Projektes war es für die Dorfbewohner zum ersten Mal möglich sauberes Trinkwasser zu nutzen, ohne vorher erst kilometerweite Wege zurückzulegen. Im Frühjahr 2017 wurde das Trinkwasserprojekt noch um die Konstruktion von Duschanlagen und Waschtischen erweitert. Der Besuch war nötig um das ganze Werkzeug abzuholen, war jedoch auch ein ganz besonderes Highlight für die beiden Jungs, da diese dort letztes Jahr mehrere Wochen bzw. Monate verbracht hatten. Schon bei unserer Ankunft war die unglaubliche Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der Menschen überwältigend. Selbst ich fühlte mich gleich aufgenommen und wohl und fand schnell Anschluss und Zugang zu den Leuten.

Blick auf das Gebäude mit den Wassertanks und der Elektronik sowie auf die Duschanlagen
Wasserverteilstellen
Ein Blick auf Jello während der Regenzeit
Traditionelle Wohnhütte
Ein Blick ins Innere einer traditionellen Rundhütte
Die Kinder von Jello
Gruppenbild v.l.n.r.: Felix, Kathi, Yilma und Paul
Destena mit zwei von ihren Kindern und mit mir
Destena und ihre Familie

Durch Felix und Pauls Kontakte wurden wir ständig eingeladen und waren daher Teil der Dorfgemeinschaft. Während unseres Aufenthaltes erledigten wir noch ein paar Reparaturen an der Duschanlage, aber im Fokus stand ganz eindeutig die gemeinsame Zeit mit den Menschen. Die Zeit in Jello war zwar kurz aber dennoch sehr intensiv und absolut beeindruckend. Während wir dort waren, schliefen wir in Zelten, um nicht so schnell von Flöhen befallen zu werden. Da wir jedoch auch viel Zeit in den Hütten der Menschen verbracht hatten, die diese mit ihrem Vieh bewohnen, war alle Mühe umsonst und die kleinen Biester befielen uns gleich. Auch wenn ich mittlerweile eine riesengroße Abneigung gegen Flöhe habe und wirklich alle Anstrengungen unternehme, um mich nicht mit ihnen rumschlagen zu müssen, würde ich diese Unannehmlichkeit in Jello wieder in Kauf nehmen. Die Erlebnisse dort haben mich so ergriffen und die Menschen haben mich so beeindruckt, dass ich jederzeit dorthin zurückkehren würde. Obwohl diese Menschen mit dem Minimum auskommen müssen, strahlen sie eine unglaubliche Lebensfreude und Glückseligkeit aus. Das Wasserprojekt brachte einen enormen Fortschritt, dennoch ernähren sich die Menschen fast ausschließlich von Maiskörnern. Kaffee spielt in ihrem alltäglichen Leben ebenfalls eine große Rolle, denn schon die Kleinsten trinken diesen rund um die Uhr. Der Kaffee wird mit Salz zubereitet, um die nötige Menge an Salz dem Körper zu zuführen. Zucker ist für die meisten Dorfbewohner ohnehin viel zu teuer. Manchmal enthält der  Kaffee zusätzlich Zwiebel, Knoblauch oder Butter aus Ziegenmilch. Geschmacklich keine Glanzleistung, aber es soll unglaublich gesund sein. Da ich eigentlich absolut keinen Kaffee mag, war der tägliche Verzehr dieser speziellen Mixtur eine kleine Herausforderung. Ich habe mir einfach immer vorgestellt, dass es sich um eine Brühe handelt und nach einiger Zeit kostete es mich keinerlei Überwindung mehr. In Anbetracht dessen, dass die Leute fast gar nichts besitzen und dennoch ihr Essen und Trinken gerne teilen wollen, wirkt diese Großzügigkeit unermesslich. Es ist unglaublich, wie liebevoll die Menschen in Jello sind und ich bin überaus dankbar, dass ich für ein paar Tage ein Teil der Dorfgemeinschaft sein durfte.

Nach unserem Aufenthalt in Jello ging es für uns drei weiter nach Ushegola, dem Dorf in dem das neue Wasserprojekt lokalisiert ist. Die Fahrt dorthin war sehr abenteuerlich. Wie schon auf dem Hinweg, wurden wir und unser Gepäck von einem Pferdchen transportiert, da die Wege zu den kleinen Dörfern während der Regenzeit viel zu unwegsam für andere Transportmittel sind. Mit uns auf den Weg machten sich zwei Eselskarren, die voll beladen mit unserm ganzen Werkzeug waren. Schon nach ein paar Minuten setze der Regen ein und viele Wege wurden aufgrund der enormen Wassermassen überspült. Die Pferdekutsche hat  Gräben bezwungen, bei denen ich es nie für möglich gehalten hätte, dass wir heile auf der anderen Seite ankommen. Wenn es bergauf oder bergab ging, sind wir von der Kutsche gestiegen, um das Pferdchen zu entlasten. Manchmal haben wir auch von hinten geschoben, damit das Pferd den Anstieg meistern konnte.

Mit Werkzeug voll beladene Eselskarren
Auf dem Weg von Jello nach Ushegola
Bearbeitung des Bodens bevor das Pferd den Anstieg meistern musste

Dennoch gab es besonders bei steilen Anstiegen große Schwierigkeiten, da das Pferd auf dem aufgeweichten Boden keinerlei Halt hatte. Bevor das Pferd den Versuch wagen durfte, den Anstieg zu überwinden, wurde der Boden aufgehackt. Zwei Mal war jedoch auch diese Mühe vergebens und das Pferd ist ausgerutscht. Wir versuchten noch von hinten zu schieben, aber es war aussichtslos. Kurze Zeit dachten wir sogar, dass es das Pferd nicht überleben würde, denn es hatte sich ziemlich schwere Verletzungen zu gezogen. Wir wollten eigentlich den Rest laufen, aber da das nächstgrößere Dorf sich noch zu weit weg befand, wir viele Kilo an Gepäck dabei hatten und der Regen immer noch ziemlich heftig war, entschieden wir uns weiter mit der Kutsche zu fahren. Das Pferd war ziemlich tapfer und zäh und es erholte sich nach dem Sturz verhältnismäßig gut. Wir wollten das Pferd dennoch nicht überstrapazieren und gingen auch viele Meter zu Fuß. Nach mehreren Stunden hatten wir dann endlich Jamaya erreicht. Wir waren  bis auf die Unterwäsche nass, sogar unsere Sachen in den Taschen blieben nicht verschont. In einem kleinen Lokal haben wir uns aus-und umgezogen und uns versucht mit Tee aufzuwärmen. Anschließend ging es dann noch die letzten Kilometer zum Dorf mit einem Motorrad weiter. Im Dorf wurden wir sehr herzlich begrüßt und es gab gleich zu Beginn ein Meeting mit den Dorfältesten. Da Felix fließend Amharisch spricht, war durch ihn eine gute Kommunikation mit den Dorfbewohnern gesichert. Nun folgt eine kurze Beschreibung zum umgesetzten Wasserprojekt:

Ushegola ist ein kleines Dorf, das rund 20 km Luftlinie von Jello entfernt liegt. Ähnlich wie dort stellt die Wasserknappheit in Ushegola ein essenzielles Problem für die rund 4.000 Einwohner dar. Die Regierung hatte im Nachbarort „Megere“ bereits vor einigen Jahren ein Bohrloch gebohrt, das mithilfe eines Dieselgenerators nur sehr unzuverlässig Wasser bereitstellen kann. Oft gibt es tagelang keinen Sprit und somit auch kein Wasser, da die Pumpe so nicht in Betrieb gesetzt werden kann. Außerdem wird wegen der Überhitzungsgefahr des Generators nur nachts gepumpt, sodass häufig tagsüber nicht ausreichend Wasser für die Bewohner Megeres und Ushegolas zur Verfügung steht. Wegen Wartungsproblemen stand der Brunnen schon mehrere Monate still, sodass sich die Menschen seither eine zuverlässige sowie nachhaltige Wasserversorgung wünschten.

Ähnlich wie bei dem Projekt in Jello wurde deshalb in Ushegola ein Brunnen gebohrt, der mit Hilfe einer Solaranlage das saubere Grundwasser bereitstellen soll. 40 Solarpanels stellen nach Fertigstellung des Projekts die Energie zur Verfügung, um das Wasser aus ca. 75 m Tiefe zuerst in einen Hochtank zu fördern, von wo aus eine Ausgabestelle in Ushegola, und mithilfe einer Leitungsbrücke auch eine Ausgabestelle in Megere versorgt wird.

Soweit der Plan – als Paul, Felix und ich jedoch in Ushegola ankamen, schien das alles noch in weiter Ferne zu liegen, da das unscheinbare Bohrloch und die zuvor eingekauften Baumaterialien, welche in einer Lehmhütte lagerten, noch nicht viel von den anstehenden Bauarbeiten erahnen ließen. Die ersten beiden Tage verbrachten wir hauptsächlich damit, das Material zu sichten und Nachbestellungen aufzugeben. Zudem haben wir die Flächen auf der Baustelle abgesteckt, auf denen die einzelnen Systemkomponenten errichtet werden sollten. Wir mussten außerdem das ursprünglich geplante Konzept etwas abändern, da unsere lokale Partnerorganisation andere Materialien und Fittings als die auf der Bestellliste eigentlich aufgeführten, gekauft hatte. Die angestrebte Zusammenarbeit mit der Regierung führte noch dazu, dass einige neue Regularien bei der Projektrealisierung berücksichtigt werden mussten. Bei einem Zusammentreffen stellten wir beiden Dorfgemeinden dann unser genaues Vorhaben noch einmal im Detail vor. Dabei haben wir besonders auf die Wünsche der Dorfbewohner geachtet, denn diese sind die Endnutzer, die das Wasserversorgungssystem langfristig nutzen werden.  Speziell die exakte Lokalisierung der Wasservergabestellen wurde mit den Leuten abgesprochen und wir gaben uns größte Mühe weitere Wünsche zu berücksichtigen und zu integrieren. Auch wenn die ganze Planungsarbeit der ersten Tage ein wenig mühselig war und man den Fortschritt nicht mit Händen greifen konnte, spürten wir doch deutlich die Dankbarkeit der Menschen, die uns bei jeder Gelegenheit zu salzigem Kaffee und Mais in ihre Hütten einluden.

Unsere Unterkunft
Der Innenraum
Ein Teil der Baumaterialien
Die bestellten Wassertanks
Vermessungsarbeiten
Vorbereitungen für den Bau des Elektronik-Hauses

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Es war geplant gleich zu Beginn unserer Arbeit die Pumpe in das Bohrloch hinunterzulassen, sie mit den Solarpanels und dem Controllerschaltkasten zu verbinden und somit so schnell wie möglich Wasser für die weiteren Bauarbeiten – und noch viel wichtiger – für die Dorfbewohner zur Verfügung zu stellen. Da die Pumpe mit ihrem Motor alleine schon über 70 Kilogramm wiegt und mit dem Pumpenkabel und dem Förderrohr ein Gesamtgewicht von knapp 200 kg in das Bohrloch gehängt wird, musste dafür eine Pumpaufständerung gebaut werden. Die dafür benötigten Stahlrohre waren leider noch nicht auf der Baustelle eingetroffen, sodass die Pumpe erst installiert werden konnte, als ich schon in Rwanda war. Ich will euch aber trotzdem nicht die Fotos vorenthalten, von dem Moment in dem zum ersten Mal Wasser floss und von dem Fortschritt der Baustelle, die in diesen Tagen fertiggestellt wird.

Konstruktion von Werkbank und Sonnenunterstand
Baustelleneinrichtung
Transport der Zementsteinblöcke von Megere nach Ushegola
Rast nach getaner Arbeit
Fertige Pumpenaufständerung
Verbinden von Pumpe und Pumpenmotor
Einhängen der Pumpe
100 Meter Förderschlauch und Pumpenkabel
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Einlassen der Pumpe ins Bohrloch
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Fundament für den Brückenpfeiler
Blick auf das Bohrloch, das Elektronikhaus sowie die Solarpanels
Provisorische Aufständerung der 40 Solarpanels
Wasser in Ushegola

Provisorische Wasserausgabe

Ein herzliches Dankeschön geht an Paul für die wunderbaren Bilder.

Liebe Grüße aus Tansania

Eure Kathi

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Mein Aufenthalt in Rwanda

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich ein Bisschen über meine Erlebnisse aus Rwanda und Äthiopien berichten. Nach Rwanda bin ich bereits Anfang August aufgebrochen, da Mitte August das Zwischenseminar in Kibuye anstand. Weil Nina, Christian und ich extra dafür ausreisen mussten und dementsprechend ein Visum brauchten, haben wir das Ganze mit einer kleinen Rundreise verknüpft. Zuerst haben wir gemeinsam ein paar Tage in Kigali, der Hauptstadt Rwandas, verbracht. Wir haben jede Gelegenheit wahrgenommen, um uns noch mal richtig durchzuschlämmen, denn wie bereits mehrfach erwähnt, ist Tansanias Esskultur nur sehr dürftig ausgeprägt. Gerade in meiner Region gibt es zudem kaum internationale Gerichte, sodass ich wirklich froh war, einmal wieder ausgewogen und vielfältig zu essen. Wenn wir nicht mit Essen beschäftigt waren, haben wir die Zeit genutzt, um ein paar Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Da Marvin, ein weiterer Freiwilliger, in Kigali lebt, hatten wir natürlich einen guten Ansprechpartner für allerlei Aktivitäten.

Blick auf Kigalis City Center
Blick auf Kigalis City Center
Großer Kitenge-Markt in Kigali
Großer Kitenge-Markt (Kimironko)

Rwanda hat mich in den wenigen Tagen mächtig begeistert, denn man erkennt eindeutig, dass sich das Land in großem Aufschwung befindet und derzeit sehr viel Entwicklung durchlebt. Besonders Kigali ist mittlerweile sehr gut und weit entwickelt und es ist eindeutig ersichtlich, dass das Ganze mit System stattfindet. Im Vergleich zu Tansania habe ich Rwanda auch als wesentlich teurer empfunden, was jedoch auch damit zusammenhängt, dass ich wirklich sehr ländlich in Tansania lebe und dort eigentlich das Meiste, das angeboten wird, sehr günstig ist. Zudem habe ich innerhalb Rwandas meist Städte bereist, die ohnehin immer teurer sind. Im Verhältnis zu den ostafrikanischen Ländern, die ich bislang kennengelernt habe, ist es in Rwanda zudem sehr sauber. In den letzten Jahren wurden in Rwanda sehr viele Anstrengungen unternommen, um einen positiven Umweltgedanken bei der Bevölkerung zu implementieren. Es gilt beispielsweise landesweit ein Plastiktüten-Verbot und auf den Straßen liegt vergleichsweise wenig Müll. Was dennoch nicht außer Acht gelassen werden darf, ist, dass es auch innerhalb Rwandas große Unterschiede gibt und in den ländlichen Regionen nach wie vor ein enormer Entwicklungsrückstand herrscht. Nachdem wir Kigali unsicher gemacht hatten, ging es für uns weiter nach Musanze, wo Leonie und Leonard, zwei Freiwillige aus Deutschland, derzeit wohnen und arbeiten. Somit hatten wir auch dort immer was zu tun und beide waren stets bemüht, uns viel von ihrem neuen Zuhause zu zeigen. Da Rwanda nur eine Fläche von 26.338 km² besitzt, und somit etwa so groß ist wie Mecklenburg-Vorpommern, ist es ziemlich angenehm, sich innerhalb des Landes mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen. An einem Tag ist es möglich, quer durchs ganze Land zu fahren. Rwandas Straßen bzw. die Hauptverkehrsrouten über Land sind zudem meist in einem sehr guten Zustand, was die Fahrtzeit auch sehr verkürzen kann. In Tansania kommt es nicht selten vor, dass man aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse für nur 35 km mehr als eine Stunde braucht. Was außerdem sehr angenehm in Rwanda ist, ist, dass man ausreichend Platz im Bus hat, denn jedem Sitzplatz wird nur ein Fahrgast zugeordnet. Hat man zudem viel Gepäck dabei, muss ein weiterer Sitzplatz für die Unterbringung des Koffers oder der Tasche gezahlt werden. In Tansania werden die öffentlichen Verkehrsmittel gnadenlos mit Menschen und Gepäck vollgeladen. Hier ist man sich sicher, dass man den ganzen Weg ziemlich gequetscht, eng aneinandergereiht zurücklegen muss. Oft passiert es, dass mir gleich nach 10 Minuten die Beine wegen der Enge einschlafen und ich sie eigentlich so lange nicht spüre, bis ich endlich mein Ziel erreicht habe und aussteigen kann.

Die letzte Station in Rwanda vor meinem Zwischenseminar war Gisenyi, was genau an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo liegt. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Kiwu-See war es dort unglaublich schön und wir haben die Zeit zum Entspannen genutzt. Zu unserem Aufenthalt in Gisenyi fällt mir noch eine äußerst amüsante Geschichte ein. Nachdem wir dort angekommen waren, hatten wir alle ziemlichen Appetit. Die erste Nacht in Gisenyi haben wir mit einem Freund aus Tansania verbracht, dessen Onkel sich derzeit zum Arbeiten ebenfalls dort aufhielt. Da sein Onkel des Öfteren dort beruflich unterwegs ist und sich deshalb gut vor Ort auskennt, dachten wir es sei eine super Idee ihn zu fragen, ob er mit uns in die Stadt gehen möchte, um uns ein gutes Lokal zu zeigen, in dem wir gemeinsam zu Abend essen können. Er führte uns in ein Lokal, das auf den ersten Blick wie eine Bar aussah. Die Frage, ob man denn hier auch etwas Anständiges zu essen bekommt, bejahte er mehrfach. So ließen wir uns davon überzeugen uns dort niederzulassen. Skeptisch wurden wir dann, als wir eine Ewigkeit auf unsere Bestellung warten mussten. Als sich William, ein Mitreisender aus Holland, genauer umgeschaut hatte und schmunzelt zurückkehrte, wurde uns alles klar. Wir waren in einem Stripclub bzw. Bordell gelandet. Nach etwa zwei Stunden kam dann endlich unser Essen. Ich hatte vor lauter Lachen Tränen in den Augen, denn die Speisen waren so verkohlt, dass man bei der Bestellung der Jungs kaum ausmachen konnte, ob es sich um Rind oder Fisch handelte. Mein Salat hingegen sah ganz in Ordnung aus, doch ich hatte enorme Bedenken, ob der Verzehr mich nicht eine Magenverstimmung bescheren könnte. Der große Hunger zwang uns alle jedoch dazu, das vorgesetzte Essen zu verschlingen. Am Ende erwartete uns dann eine enorm hohe Rechnung, die ganz und gar nicht dem Wert und der Qualität der bestellten Gerichte entsprach. An diesem Abend lernten wir alle, dass man solch eine Lokalität nicht zum Essen gehen aufsuchen sollte, denn die Rechnung lässt einen mit den Ohren schlackern. Am besten, man besucht solch ein Etablissement nur, wenn man auf der Suche nach anderen Gelüsten ist.

Gisenyi
Rwandas wunderbare Straßen
Gisenyi
Blick auf Gisenyi

Nach ein paar Tagen Erholung ging es dann weiter nach Kibuye zum Zwischenseminar. Dieses war vollgepackt mit Arbeit und wir waren eigentlich den ganzen Tag mit den uns zugeteilten Aufgaben beschäftigt. Im Fokus des Seminars stand die Selbstevaluation, die uns dabei helfen soll, das bisher Erlebte in der neuen Heimat zu reflektieren, bewerten, hinterfragen und ordnen. Zudem sollten durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Arbeitsumfeld sowie dem sozialen Umfeld neue Blickwinkel, Ideen und Ziele für die bevorstehende Zeit geschaffen werden.

Gruppenbild mit allen Seminarteilnehmern und dem Seminarleiter
Gruppenbild mit allen Seminarteilnehmern und dem Seminarleiter

 

Blick auf den Kiwu-See
Blick auf den Kiwu-See
Badespaß im Kiwu-See
Badespaß mit Christian und Marvin

 

 

Aktuelle Lage

Hallo ihr Lieben,

es ist Einiges passiert, seit meiner letzten Berichterstattung. Ich musste mich die letzten drei Wochen erneut zwei Mal mit Flöhen herumschlagen und war demnach ziemlich niedergeschlagen. Ich habe seit der letzten Flohplage immer wieder versucht den Verantwortlichen bei Mavuno klar zu machen, dass die Ursache des Problems bekämpft werden muss und es nicht ausreicht, dass ich mein Zimmer und meine Kleidung reinige und sauber halte. Da überall Ratten unterwegs waren, die die Flöhe überall verteilt haben, durfte ich mich also nun zum 4. Mal mit den kleinen Plagegeistern rumplagen. Ich hatte mir wirklich alle Mühe gegeben mein Zimmer so gut, wie hier nur möglich, sauber zu halten und alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um nicht wieder von Flöhen gebissen zu werden. Da das aber wohl nicht ausreichend war bzw. ist, habe ich nun die Konsequenz gezogen und mir ein neues Zuhause gesucht. Meine Beine sehen aufgrund der Bisse aus wie ein Schlachtfeld und zudem habe ich überhaupt nicht mehr schlafen können. Da es sich um Rattenflöhe gehandelt hat, war ich auch in einem Krankenhaus, das zwei Stunden von meinem Heimatort entfernt liegt, um einen Bluttest zu veranlassen, der mögliche Folgeerkrankungen aufdecken sollte. Zum Glück ist das Ganze recht gut ausgegangen, bis auf ein paar Entzündungen habe ich nur eine Infektion, die ich nun mit Antibiotika behandeln lasse. Die ganze Waschprozedur dauerte wieder tagelange, da wie bereits beim letzten Mal beschrieben, das ganze Wasser mühevoll Topf für Topf über dem Feuer abgekocht werden musste. Eine neue Matratze und Bettzeug musste ebenfalls wieder her, weil meine Sachen erneut völlig kontaminiert sind und es sich hier auf dem Land alles andere als einfach gestaltet eine Matratze und Bettzeug sorgfältig und garantiert erfolgreich zu reinigen. Nach der 4. Flohbekämpfung hier in Tansania bin ich definitiv ziemlich abgehärtet und zurück in Deutschland kann mich so schnell nichts mehr aus der Bahn werfen.

Das ausgearbeitete Entwässerungsprojekt sollte eigentlich schon in die Bauphase übergehen, aber ich habe mich dazu entschieden mit der Umsetzungsphase erst Ende September zu beginnen. Das hat gleich mehrere Gründe. Zum Einen bin ich aufgrund der Flöhe fast drei Wochen lang ausgefallen, da ich den Umzug managen musste und ja auch erst mal alles sorgfältig reinigen musste. Da bei der ersten Reinigung mindestens ein Floh überlebt haben muss und nach einer Woche neue Stiche aufgetaucht sind, musste das Ganze also wieder erneut erfolgen und hat dementsprechend viel Zeit und Nerven gekostet. Jetzt scheint das Problem aber endgültig gelöst und ich bin sehr froh über den Wohnungswechsel. Zum Anderen wollte ich nicht die alleinige Verantwortung tragen, da das ganze Projekt doch sehr kostspielig ist und ich gerne einen weiteren Ingenieur an meiner Seite hätte, um es fortwährend zu diskutieren und reflektieren. Ende September habe ich erneut Unterstützung und ich kann die Bauphase guten Gewissens einläuten.

Ab dem 05. August werde ich außerdem nicht mehr in Tansania sein, weil ich zuerst mein Zwischenseminar in Ruanda habe und im Anschluss direkt weiter nach Äthiopien reisen werde. In Äthiopien werde ich einen Monat bleiben, um natürlich das Schulprojekt des Vereins „Äthiopien- Verein Hilfe zum Leben e.V.“ zu besuchen und um bei einem Brunnenprojekt einer Projektgruppe von „Engineers without Borders“ der Uni Karlsruhe mitzuarbeiten. Ich freue mich schon wahnsinnig auf meine Reise und kann es kaum erwarten meine Freunde in Äthiopien wieder zu sehen. Zu dem Brunnenprojekt wird es ebenfalls eine ausführliche Berichterstattung geben. Nach meinem Aufenthalt in Äthiopien erwarte ich meine Oma und Mama in Ruanda (Kigali). Gemeinsam werden wir ungefähr zwei Wochen in Ruanda als auch Tansania verbringen. Ich werde ihnen natürlich mein neues Zuhause in Tansania zeigen und sie meinen Freunden hier vorstellen. Da mein Heimatort nah an der Grenze zu Ruanda liegt, ist es kein großer Akt mit Oma und Mama ein-und auszueisen.

In der letzten Zeit hat sich zudem eine wunderbare Chance aufgetan. Seit einigen Jahren ist Johann Eiber, der hier nur liebevoll Babu John genannt wird,  in der Region rund um Kayanga aktiv und für seine Bauprojekte, vor allem im Hinblick auf den Bereich Hydrologie, bekannt. Im Jahr 2013 hat er mit der Umsetzung eines weiteren Bauvorhabens begonnen und steckt seither seine ganze Zeit und Energie in die Projektrealisierung. Es handelt sich um ein Zentrum für körperlich und geistig erkrankte als auch traumatisierte Kinder jeglichen Alters. Die untere Etage des Gebäudes ist fast fertig und die ersten Kinder können schon bald einziehen.

Rückansicht Haupthaus
Rückansicht Haupthaus
Rückansicht Haupthaus
Vorderansicht Haupthaus
Seitenansicht Eingangsbereich Haupthaus

Zudem gibt es bereits einen gegrabenen Brunnen auf dem Gelände. Das Wasser wird derzeit zwar noch durch Muskelkraft mithilfe einer Kurbel und einem Eimer nach oben befördert, aber eine Solarpumpe soll bald installiert werden. Es gibt außerdem eine Drei-Kammer-Klärgrube, durch die ein ausreichendes Abwassermanagement gewährleistet ist. 2013 hat Babu John bereits mit der Kultivierung von zahlreichen Obst-und Gemüsepflanzen begonnen, sodass ein großer Garten zur Verfügung steht. In ein paar Jahren wird die Ernte so ergiebig sein, dass sich das Zentrum selbst versorgen kann und die Lebensmittel nicht extern erworben werden müssen. Da Babu John das ganze Vorhaben in Eigenleistung mit der Unterstützung von lokalen Arbeitskräften umsetzt, wird die Fertigstellung der zweiten Etage noch eine Weile in Anspruch nehmen. Die erste Etage soll schon von den Kindern genutzt werden, während die Konstruktion der zweiten Etage parallel erfolgt. Die Aufnahmekapazität ist daher leider noch sehr begrenzt. Ohnehin wird der Ansturm auf das Zentrum sehr groß sein, denn es ist bislang das einzige seiner Art rund um die Gemeindebezirke Karagwe und Kayera, die insgesamt fast 700.000 Einwohner umfassen. Da das Projekt mittlerweile vielen Menschen bekannt ist und diese auch von dem enormen Potenzial erfahren haben, ist es bereits vorgekommen, dass verzweifelte Mütter ihre Babys auf dem Gelände abgelegt haben. Die Mütter werden von der Hoffnung getrieben, dass ihre Kinder hier die nötige Unterstützung finden, die sich die meisten Familien hier auf dem Land sonst nicht leisten könnten. Das Baugelände befindet sich etwa eine Autofahrtstunde von Omurushaka entfernt und ist daher sehr abgelegen. Dennoch ist die Lokalisation perfekt, denn es gibt in unmittelbarer Nähe zu dem Zentrum eine Grundschule als auch eine Sekundarschule. So ist der Schulbesuch für die Kinder problemlos möglich, selbst körperlich beeinträchtigte Kinder können in die Schule gebracht und begleitet werden. Die umliegende Umgebung ist wunderschön und ein toller Platz für Kinder, um groß zu werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass das Zentrum sich auf dem Gelände eines Schwesternwohnhauses befindet. Bei den Ordensschwestern handelt es sich um die „unlimited love sisters“. Zukünftig werden sie auch für das seelische und körperliche Wohl der Kinder verantwortlich sein und das Zentrum nach Abschluss der Bauphase leiten. Ich bin mir sicher, dass die Schwestern die Aufgabe hervorragend umsetzen werden, da es ihnen aus religiösen Gründen nicht gestattet ist selbst Kinder zu gebären und sie daher sehr viel Liebe zu vergeben haben.

 

Da ich das Projekt gleich sehr ansprechend und unterstützenswert fand, habe ich Babu John gleich meine Hilfe angeboten. Da er bereits zahlreiche Projekte hier in der Region betreut und auch in Österreich über Jahre bei der Baufirma „Strabag“ Berufserfahrungen gesammelt hat, kann ich von ihm ebenfalls unglaublich viel für meine weitere berufliche Zukunft lernen. Nach unserem ersten Gespräch vereinbarten wird gleich einen Termin zur Baustellenbesichtigung. Babu John erledigte bislang, wie gesagt, alles alleine und war daher sehr dankbar über meine angebotene Unterstützung. Nach ein paar Tagen überraschte er mich jedoch mit einer Idee, die ich nun sehr gerne realisieren möchte. Auf dem Gelände befindet sich ebenfalls ein Gebäude, das die Regierung vor einiger Zeit bauen ließ. Der Bauprozess stoppte jedoch nachdem kein Geld mehr zur Verfügung stand, sodass sich das Gebäude derzeit noch im Rohbau befindet. Babu John machte mir den Vorschlag, das Projekt  als eigenes Projekt anzunehmen, um so zusätzlichen Raum für die Kinder zu schaffen. Mein Herz blühte bei dem Gedanken sofort auf, denn genau deshalb habe ich Bauingenieurwesen studiert und genau aus diesem Grund habe ich mich auf den Weg nach Tansania gemacht. Da das Gebäude bereits steht und die Arbeiten am und im Gebäude selbst überschaubar sind, könnten wirklich schon in ein paar Monaten die ersten Kinder einziehen. Das Gebäude möchte ich gerne mit zwei Wassertanks zur Regenwassernutzung und einer Drei-Kammer-Klärgrube komplettieren. Die Trinkwasserversorgung wird durch das Grundwasser aus dem Brunnen sichergestellt, es müssen lediglich noch die Leitungen verlegt werden.

Zur Projektumsetzung werden natürlich Gelder benötigt. Daher möchte ich, wenn ich wieder zurück in Tansania bin und Babu John mir die nötigen Unterlagen geschickt hat, gerne eine ausführliche Projektbeschreibung ausarbeiten und nach Deutschland schicken. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn dieses Projekt bereits bei dem Einen oder Anderen auf Interesse gestoßen ist und mich Jemand bei der Umsetzung unterstützen möchte. Ausführliche Informationen werden dann nach meiner Rückkehr folgen. Das oben aufgeführte Bildmaterial, das ich während meines Besuches auf der Baustelle gesammelt habe, zeigt das Haupthaus und das Gelände. Leider fehlt das Nebenhaus, für das ich bald verantwortlich sein soll, da bei der Besichtigung der Baustelle noch nicht die oben vorgestellte Idee existierte. Falls es schon Fragen gibt, immer her damit. Von meiner Seite kann ich nur sagen, dass ich hoch motiviert bin und von ganzem Herzen hoffe, dass ich dieses Projekt umsetzen kann, um den Kindern ein wundervolles Zuhause zu kreieren.

Bleibt gesund und munter

Sonnige Grüße aus Tansania

Eure Kathi

Die Stellung und Rechte der Frau

Hallo liebe Leser meines Blogs,

heute möchte ich endlich einen Umstand thematisieren, der mir schon lange hier in der Region missfällt und den ich aufgrund dessen nicht länger unausgesprochen lassen möchte. Es geht um die Stellung und Rechte der Frauen und Mädchen und um das Verhalten und Benehmen der meisten Männer. Vorab möchte ich sagen, dass nun eine subjektive Darstellung erfolgt und das Nachfolgende auf meinen gesammelten Erfahrungen der letzten vier Monate fundiert. Durch zahlreiche Gespräche und erlebte Szenarien denke ich mittlerweile ein klares Bild von der Situation hier vor Ort zu haben. Wichtig ist noch, dass sich die Berichterstattung nur auf die umliegende Umgebung von Kayanga bezieht und nicht für ganz Tansania zu generalisieren ist.

Das Leben vieler Frauen ist hier durch harte Arbeit und sexuelle Übergriffe geprägt. Da vielen Mädchen bereits der Schulbesuch untersagt wird, fehlt Vielen schon von Beginn an das Fundament zur Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit. Da viele Familien nur über wenig finanzielle Mittel verfügen, reicht das Geld oft nicht aus, um alle Kinder zur Schule zu schicken. Daher bleibt dieses Privileg meist den Jungen vorbehalten und die Mädchen müssen den Haushaltspflichten nachkommen, ohne Lesen und Schreiben zu lernen.  Aus meinem nahen Umfeld weiß ich zudem, dass junge Mädchen oftmals als Ersatzmutter für kleinere Geschwister oder Kleinkinder anderer Familien eingesetzt werden. Den Mädchen, die oft selbst noch mehr Kind als Frau sind, wird eine unglaubliche Verantwortung aufgezwungen und so die Zeit für den Schulbesuch und zur Selbstentwicklung und -entfaltung genommen. Ein weiteres Problem im Hinblick auf den Schulbesuch ist die unzureichende Aufklärung und Versorgung der Mädchen während ihrer Periode, die hier bei vielen Mädchen sehr früh einsetzt. Die Mädchen trauen sich nicht mehr in die Schule, da es keine Hygieneartikel gibt, und schämen sich dementsprechend, da dieser Umstand ohne Binden oder andere Utensilien nicht leicht zu verbergen ist. Außerdem sind die meisten Mädchen nicht aufgeklärt, da es in der Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema darstellt. Sie haben demnach keine Vertrauensperson im nahen Umfeld und müssen meist ganz alleine mit den starken Veränderungen des Körpers in der Zeit der Pubertät zurechtkommen. Dadurch verpassen die Mädchen sehr viele Schulstunden und kommen irgendwann nicht mehr hinterher, sodass der Lernrückstand nicht mehr aufgeholt werden kann. Eine weitverbreitete Konsequenz ist, dass viele Mädchen die Schule abbrechen. Außerdem kommt es immer wieder zu Vergewaltigungen auf dem Schulweg, da viele Kinder große Distanzen zurücklegen müssen und schon bei Dunkelheit aufbrechen, um rechtzeitig die Schule zu erreichen. In jungen Jahren ist es ebenfalls ein leichtes Unterfangen, den jungen Mädchen  die Selbstbestimmtheit zu nehmen und bereits bestimmte Dogmen in ihren Köpfen zu verankern. So trauen sich die meisten Frauen nicht eine Hose zu tragen und sind demnach mit Röcken und Kleidern unterwegs, die mindesten knielang sein müssen. Anderenfalls werden sie als Prostituierte betitelt und/ oder es wird ihnen schlechtes Verhalten zugeschrieben und das möchten selbstverständlich die meisten Frauen und Mädchen unterbinden. So ist es auch vorkommen, als wir mit unserem Nachbarsmädchen (13 Jahre) unterwegs waren, dass sie mit dem Finger auf eine Frau zeigte und sie als schlechte und billige Frau betitelte, nur weil diese eine Hose als auch ein figurbetontes Oberteil trug.

Da so schon früh das Fundament zur Unabhängigkeit zerstört wird, sind die meisten Frauen auch absolut hörig und besitzen kein Selbstbewusstsein, um sich den Ungerechtigkeiten zu widersetzen. Seitdem ich hier bin, habe ich mich schon so oft gefragt, warum sich die Frauen alles gefallen lassen und sich nicht zur Wehr setzen. So nehmen Frauen ständig sexuelle Übergriffe hin und werden oftmals in aller Öffentlichkeit gedemütigt. Es kam schon des Öfteren vor, dass ich gesehen habe, wie Männer fremde Frauen an intimen Stellen ganz selbstverständlich berührt haben, ohne dass sich die Frauen gewehrt haben. Die meisten Frauen besitzen keinerlei Schutz und Rückhalt, sodass vermutlich die Angst überwiegt und sie daher hinnehmen wie ein Objekt behandelt zu werden.  Wenn man in der Stadt unterwegs ist, überwiegt auch eindeutig der Männeranteil. Die meisten Frauen arbeiten hart auf dem Feld, verkaufen die Ernte auf dem Markt oder kümmern sich um den Haushalt und die Kinder. Es kommt nicht sehr oft vor, dass man Frauen in einem Restaurant oder in einer Bar trifft, außerdem findet man fast ausschließlich männliche Auto-und Motorradfahrer. Viele Frauen verlassen bei Anbruch der Dunkelheit nicht mehr ihr Zuhause, da das Risiko eines Übergriffes am Abend und in der Nacht steigt. Zudem ist das Verhalten und Auftreten der meisten Frauen, wie bereits beschrieben, durch bestimmte Dogmen geprägt, die ihnen schon früh als Verhaltensgrundsatz auferlegt wurden. So sind die meisten Frauen auch davon überzeugt, dass es sich einfach nicht gehört z. B. abends auszugehen oder Alkohol zu trinken, denn so etwas machen nur Prostituierte. Frauen verfügen hier über keinen Besitzanspruch. Für die schwere Feldarbeit sind zwar die Frauen zuständig, aber sobald die Erntezeit einsetzt, erheben die Männer ihren Anspruch und verkaufen die reifen Feldfrüchte.  So bleiben die meisten Frauen ein Leben lang von ihren Männern abhängig, da sie ja keine Schulausbildung besitzen und demnach auch keiner anderen ausreichend bezahlten Arbeit nachgehen können, mit der sie sich selbst versorgen könnten. Diese Abhängigkeit spiegelt sich auch in einem anderen gesellschaftlich akzeptierten Phänomen wider. Es ist für die meisten Männer, egal welcher Religion zugehörig, völlig normal die eigene Frau mit anderen Frauen zu betrügen. Es ist hier in der Region ein legimitiertes Verhalten, das sich zwar immer hinter verschlossenen Türen abspielt, aber dennoch völlige Akzeptanz findet. Ich hatte schon zahlreiche Diskussionen darüber, da auch ich immer wieder Angebote erhalte und die meisten Männer nicht davor zurückschrecken direkt nach einer gemeinsamen Nacht zu fragen, obwohl sie vorher von ihrer Frau und den Kindern erzählt haben. Bei meinen Versuchen ihnen zu erklären, dass dieses Verhalten absolut falsch ist und sie sich schämen sollten, kommt meist nur bloßes Gelächter und Unverständnis. Bei Gesprächen mit betrogenen Ehefrauen überwiegt meist der Zorn der Frauen über dieses Verhalten, aber die wenigstens trauen sich dagegen vorzugehen, sodass sie es stillschweigend hinnehmen. Ein riesengroßes Problem, das sich aufgrund dieses Verhaltens ebenfalls einstellt, ist die schnelle Verbreitung von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten, da die Verfügbarkeit von Kondomen stark begrenzt ist und die meisten auch völlig unaufgeklärt sind.  Selbst Mitarbeiter von Organisationen, die sich dem Kampf gegen HIV und Aids widmen, legen solch ein Verhaltensmuster an den Tag. So predigen sie in der Öffentlichkeit, dass man sich beim Geschlechtsverkehr ausreichend schützen soll, benutzen aber selbst keine Kondome und schlafen mit zahlreichen Frauen. Sie legitimieren ihr Verhalten, indem sie sagen, dass der Gebrauch von Kondomen nicht mit ihrem Glauben zu vereinbaren ist (die meisten sind katholisch). Gleichzeitig halten sie es aber für ganz selbstverständlich ihre Frauen zu betrügen, was einen ziemlich großen Widerspruch darstellt.  Und um noch mal zu untermauern, dass Männer hier viel mehr zu sagen haben, folgt nun ein Beispiel. In meiner Organisation werden alle wichtigen Positionen von Männern besetzt. Es gibt lediglich eine Sekretärin und zwei Putzfrauen. Neulich erfolgten bei Mavuno Bewerbungsgespräche, da drei neue Stellen für das Agrarprojekt geschaffen wurden. Es wurde vorher immer wieder erwähnt, dass sie gerne eine Frau einstellen möchte, letztendlich waren die Anforderungen an diese Stelle nicht für eine durchschnittliche Frau aus dieser Region zu erfüllen. Es wurde unter anderem ein Motorradführerschein verlangt, den eigentlich ausschließlich nur Männer besitzen. Im Weiteren bestehen auch bei einer Organisation wie Mavuno, die seit Jahren Erfahrungen durch internationale Kooperationen besitzen, große Differenzen im Hinblick auf den Umgang mit Mann und Frau. Damit sah ich mich auch schon einige Male konfrontiert und habe natürlich schon mehrmals meinem Unmut darüber Luft gemacht und das Gespräch gesucht.

Abschließend möchte ich noch hinzufügen, dass es natürlich auch hier in dieser Gegend aufgeklärte und moderne Frauen gibt, die selbstständig sind und sich den ganzen Verhaltensdogmen widersetzen. Diese Frauen haben jedoch oft mit den Konsequenzen zu kämpfen, da sie durch ihr Verhalten im Fokus stehen und demnach oftmals beschimpft und kritisiert werden. Es gibt auch Männer, für die ein ganz anderes Verhalten charakteristisch ist. Diese behandeln ihre Frauen gut, ehren sie und missbilligen das beschriebene Verhaltensmuster.  Da sich solche Frauen und Männer jedoch ganz klar in der Minderheit befinden, wird man immer wieder mit der beschriebenen Problematik konfrontiert und man fühlt sich ohnmächtig, da es aussichtslos erscheint dieses Verhalten zu verändern. Dennoch ist es immer der falsche Weg nichts zu tun und Missstände stillschweigend zu tolerieren. Ich setze mich auch immer sofort zu Wehr, wenn ich das Gefühl habe sexuell belästigt zu werden und werde laut, sodass es die umstehenden Leute sofort mitbekommen. Als weiße Frau sieht man sich natürlich bei Weitem nicht den Gefahren ausgesetzt, die den Alltag  vieler tansanischer Frauen aus der Region dominieren, da sich die Männer viel zu sehr vor den Konsequenzen fürchten. Ich sehe meine Verantwortung daher darin, den Frauen hier zu zeigen, dass wir alle gleich sind, sie genau so viele Rechte besitzen wie die Männer und es ebenso für sie ein Grundrecht ist über ihren Körper und ihr Leben selbst zu bestimmen. Frauen müssen ermutigt werden für ihre Rechte einzustehen und den Männern müssen eindeutig die Grenzen aufgezeigt werden.

Eure Kathi

Meine erste tansanische Hochzeit

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich Etwas über meine erste tansanische Hochzeit erzählen, die am Sonntag (02.07.2017) stattgefunden hat.  Dies war bereits meine zweite Hochzeitseinladung,  aber unglücklicherweise konnte ich die erste Feier, aufgrund meiner Malariaerkrankung, nicht wahrnehmen. Umso mehr hatte ich mich nun auf das Spektakel gefreut. Tansanische Hochzeiten unterscheiden sich enorm von den uns bekannten deutschen Hochzeiten. Die Gästeliste beschränkt sich nicht nur auf die Familien und Freunde des Brautpaares, denn es gibt zahlreiche geladene Gäste, die in keinem engen Kontakt zum Brautpaar stehen. Daher muss auch jeder Gast einen Festbetrag zahlen, mit dem die Kosten für Getränke und Essen gedeckt werden. Am Sonntag bezifferte sich dieser Betrag auf 15.000 TSh (~5,80€). Am Eingang zur Festhalle, welche überaus pompös geschmückt war, musste ich meine Einladungskarte vorzeigen, die bestätigte, dass ich auch wirklich den Betrag gezahlt habe. Im Gegenzug bekam ich sechs Getränkemarken  und eine Essensmarke. Im Festsaal angekommen, musste man sich erst mal die Getränke für den Abend sichern und diese unter dem Plastikstuhl lagern. Es gab nur alkoholfreie Getränke, lediglich dem Brautpaar war es erlaubt ein wenig Champagner zu trinken.

Nachdem alle Gäste im Inneren Platz gefunden hatten, ging die Feier los. Ein Moderator führte die Festgemeinde durch den gesamten Abend, ein DJ sorgte für ausreichend Stimmung.  Vorne war ein festlich hergerichtetes Podest für das Brautpaar aufgebaut, links und rechts daneben befanden sich geschmückte Zelte für die beiden Familien. Ein weiteres kleines Festzelt im Saal war für das Festkomitee vorgesehen, welches üblicherweise das Brautpaar finanziell entlastet und bei all den Planungsvorbereitungen unterstützt. Zu Beginn betraten beide Familien tanzend die Festhalle. Unterstützt von passender tansanischer Musik nahmen die Familienmitglieder ihre Plätze unter dem Zelt ein. Dann folgte das Hochzeitskomitee, das zudem die Festgemeinde mit Tanzeinlagen begeisterte. Zuletzt schreitete das Brautpaar ein, das ebenfalls zahlreiche Tanzeinlagen zum Besten gab.  Nachdem der Moderator ein paar Worte verloren und das Brautpaar vorne in der Mitte Platz genommen hatte, stand die ganze Festgesellschaft auf, um ebenfalls nach vorne zu gehen und mit dem Brautpaar bei passender Musik anzustoßen. Im Anschluss erfolgte die Geschenkübergabe durch die Eltern. Das Brautpaar wurde mit allerhand herkömmlichen Haushaltswaren wie z.B. Waschschüsseln, Kochlöffeln, Decken, Töpfen ausgestattet. Zudem erhielt das Paar von der Familie des Bräutigams ein Baugrundstück. Auch das Festkomitee beschenkte das Brautpaar reich. Hier erfolgte die Geschenkübergabe sehr feierlich, denn die Mitglieder zogen wieder tanzend  mit den vielen Geschenken in den Festsaal ein.  Und auch die Festgemeinde überreichte der Reihe nach tanzend und noch vorne zum Brautpaar schreitend die Geschenke.  Ich hätte sehr gerne ein Video hochgeladen, aber das klappt leider nicht.

Diese ganze Zeremonie umfasste mehrere Stunden, sodass ich unglaublich froh war, als das Buffet endlich eröffnet wurde. Da wir hier in Tansania sind und das Essen im internationalen Vergleich sehr fade und einseitig ist, gab es auch selbst bei diesem besonderen Event keine großen kulinarischen Überraschungen. Das Essen war zur Ehren des Tages nur etwas mehr gewürzt als es normalerweise der Fall wäre. Sehr schade war jedoch, dass sich gleich nach dem Essen gegen 21:00 Uhr die Feier aufgelöst hat. Ich hatte  mich schon so aufs weitere Tanzen gefreut, doch das blieb leider aus. Trotz allem war es eine wunderbare Erfahrung und  ich hoffe sehr, dass es nicht die letzte Hochzeit bleiben wird. Für das Event hatte ich mich auch extra ein Kleid aus einem wunderschönen Kitenge nähe lassen.

Ganz liebe sonnige Grüße

Eure Kathi

Fortschritte innerhalb des Projektes

Hallo liebe Freunde und Leser des Blogs,

jetzt möchte ich Euch gerne über die neusten Entwicklungen innerhalb des Mavuno-Trinkwasserprojektes informieren. Wie bereits erwähnt, haben Felix und ich ein umfangreiches Dokument, das sämtliche Berechnungen, Zeichnungen, Empfehlungen und Textelemente enthält, erstellt. Wenn jemand daran interessiert ist und sich gerne im Detail über die Arbeit informieren möchte, kann ich dieses Dokument (auf Englisch!) gerne per Mail weiterleiten. Alle Informationen hier zu veröffentlichen, wäre viel zu umfangreich und die Meisten würde sich bei solch einer Lektüre vermutlich langweilen.

Interessant für alle Leser und entscheidend ist jedoch das neue Ergebnis der Wasseranalyse, auf das wir nun mehrere Wochen warten mussten. Da die alte Analyse in sich unstimmig war, hatten wir, wie zuvor berichtet, noch im April eine neue Analyse veranlasst. Das neue Ergebnis offenbarte nun, dass wir völlig richtig mit unseren Bedenken lagen, denn die Werte der erneut getesteten chemischen Parameter weichen enorm von den alten Messwerten ab. Das neue Analyseergebnis zeigt, dass das  Grundwasser aus dem Bohrloch über eine gute Wasserqualität verfügt. Alle Messwerte liegen unterhalb der Trinkwassergrenzwerte der Weltgesundheitsorganisation, aber auch der deutschen Trinkwasserverordnung, die zuletzt im Jahr 2011 aktualiert worden ist. Da alle Grenzwerte eingehalten sind, gilt das Wasser  als gesundheitlich unbedenklich und kann problemlos konsumiert werden. Demnach sind auch die Aufbereitungsschritte zur Entmanganung und Enteisenung, die auf Grundlage der alten Analyse geplant worden sind, nicht mehr notwendig. Nachfolgend sind einige Messwerte des zweiten Wasseranalyse aufgelistet:

Parameters Unit Sample Values WHO Guideline Values 2011 German Drinking Water Ordinance
Chemical Parameters mg/l
Ammonium [NH4+]  mg/l 0.07 0.50
Ammonical Nitrogen  mg/l 0.06
Nitrate Nitrogen [N03-N]  mg/l 10.5
Nitrate [NO3]  mg/l 46.5 50 50
Nitrite Nitrogen [NO2-N]  mg/l
Nitrite [NO2]  mg/l 3.0 0.50
Ammonia [NH3]  mg/l 0.07
Iron  mg/l 0.06 0.20
Manganese  mg/l 0.01 0.4 0.05

Da die Bohrfirma damals versäumt hat die ersten Meter des Bohrlochs ordnungsgemäß mit entsprechendem Material abzudichten, sodass kein mit Düngemittel angereichertes oberflächennahes Grundwasser in die Rohrtour gelangen kann, ist der Nitratwert  recht hoch und liegt nur knapp unterhalb des Grenzwertes von 50 mg/l. Da die Entfernung bzw. Reduzierung von Nitrat aus dem Trinkwasser nur mit sehr komplexer Technik möglich ist und viele Gemüsesorten, die täglich verzehrt werden, über weitaus höhere Nitratwerte verfügen (z.B. Spinat: 6000 mg/kg), muss nun diskutiert werden, ob die Implementierung einer Aufbereitungsanlage zur Nitratenfernung hinsichtlich der Kosten als auch der Effektivität überhaupt sinnvoll ist.

Im September kann dann aktiv mit der Planung des Leitungsnetzes begonnen werden, denn im nächsten Schritt soll das Trinkwasser 10 km weit zur Mavuno Girls´ Secondaryschool geführt werden.  Neben der Dimensionierung des  Leitungsnetzes muss zudem die Konstruktion einer oder mehrerer Zwischenpumpstationen erfolgen.

Entnahme der Wasserprobe
Das Team (v.l.: Materne Shwekerela, Felix, Kathi, Mr. Charles Bahati [Manager], Mr. Vitta [Laborleiter], Labormitarbeiter)
Durchführung der Wasseranalyse mithilfe eines Colorimeters

 

In den letzten Wochen habe ich mich um ein weiteres Vorhaben gekümmert und diesbezüglich ein Anlagenkonzept ausgearbeitet. Das Konzept der Anlage basiert darauf, gefallenes Regenwasser vom Bodem mithilfe von Entwässerungsrinnen zusammeln, um es für die Bewässerung der Pflanzen und für die Versorgung der Tiere auf dem Schulgelände der Mavuno Girls´Secondaryschool zu nutzen. Im Weiteren soll durch die Installation der Entwässerungsrinnen der zunehmenden Bodenerosion durch die starken Niederschläge in der Regenzeit entgegengewirkt werden. Da die Wasserqualität bei der Bewässerung ebenfalls essentiell ist, um den Ertrag der Kulturpflanzen zu erhöhen, die Bodenproduktivität zu erhalten und die Umwelt zu schützen, sieht das Anlagenkonzept auch die Implementierung adäquater Wasseraufbereitungsmaßnahmen vor. Hinsichtlich dieser Problematik habe ich ebenfalls ein ausführliches Dokument mit sämtlichen Berechnungen und Empfehlungen zur Dimensionierung und Konstruktion erstellt. Es folgt eine Schemaskizze sowie eine englische Zusammenfassung des gesamten Anlagenkonzepts:

Concept of Plant- New Version

SUMMARIZED GENERAL CONCEPT

The system concept is based on collection and storage of fallen rainwater from the ground surface with the help of drainage channels, in order to use it for watering the fields and livestock farming. Subsequently the installation of the drainage channels should prevent increasing soil erosion due to exceedingly strong rainfalls during the rainy season. Since the water quality is also of high importance for field watering regarding to enhancing the yield and safety of cultivated plants, obtaining the soil productivity and protecting the surrounding environment, the concept includes the implementation of adequate water treatment measures

 

Figure 1‑1: Soil erosion due to exceedingly strong rainfalls

The treatment steps should generate a minimum of construction and operational costs and should present a simplified option for rainwater harvesting and purification of rainwater. The construction of the drainage channels, the treatment plant as well as the underground main water storage reservoirs should not be too complex and the maintenance should be easy to manage in order to ensure the optimal functioning of the drainage concept over a long term. Furthermore the use of high-tech equipment should be avoided, since they are cost-intensive and cause serious problems, if the reparation is indispensable for the further operation.  Moreover, the concept provides the cost-effective storage of the fallen rainwater. Thereby the potential negative modification of the water quality caused by microorganism in the case water is stored over an extended period, is taken into account.

The fallen rainwater washes away numerous soil particles, when it flows as surface runoff using the natural slope, which is why the concept provides the following water treatment measures and storage elements:

  • Covered Drainage Channels
  • Sedimentation Tank
  • Main Storage Reservoir
  • Slow Sand Filters
  • Small Pump Reservoir (Surface Pump / Solar Panel)
  • High-Level Tank
  • (Fire Water / Fish Pond)

Even before the water flows into the drainage channels, the installation of appropriate metal made cover grilles already reduces the dirt ingress from the ground surface. Coarse dirt particles like leaves and larger stones are held back and therefore cannot flow into the system. The covering preparations unroofing the drainage channels can be removed without difficulty, so that cleaning and emptying of the channels is effortlessly possible after a certain time. Since the size of the dissolved soil particles is too low in order to sink to the ground of the designed sedimentation tank, the installation of pavement stones is highly recommended because this reduces the load of soil particles in the water immensely. Otherwise the normal dimensions of a sedimentation tank are not sufficient to satisfactorily enable sedimentation, so that this treatment steps loses its function and becomes therefore redundant. This, in turn, would have a negative impact on the maintenance effort and therefore the long-term operating principle of the downstream sand filters.

After the fallen rainwater has passed through the channels, it flows in subterraneously located PVC drainage pipes (or alternatively in an open drainage channel), which are connected with the horizontal drainage channels. A fine filter sieve is placed before each inlet, in order to hinder the further transport of smaller stones and fine leafage, which reached into the channels in spite of the cover grilles. Since the rainwater is still enriched with dirt particles, the construction of a sedimentation tank is crucial regarding to the enhancement of the water quality. The water from the sedimentation tank can also serve for fire-fighting activities. Furthermore, it would be possible to establish an additional pond for fire-fighting and fish farming as another environmental idea, which can also be integrated into the teaching concept. After the sedimentation process the water will be conveyed to the main water storage reservoir. Downstream of the main reservoir two slow sand filters are installed which remove potential remaining particles and reduce the bacterial contamination. The previous sedimentation processes in the sedimentation tank and also in the main reservoir, because the sedimentation continues to have an effect, are essential because otherwise the first centimeters of the sand layer or even the entire sand of the filter would have to be removed after a very short operation time, what would increase the workload as well as the operating costs. This would also have negative consequences on its mode of action, since a loss of quality due to the insufficient recovery time of the microbial layer is to be expected. It is useful to integrate two sand filters into the drainage system, in order to enable the maintenance and a sufficient recovery time of the microbial layer without any loss of quality. The outflow water of the sand filter will be collected in a small reservoir, where a solar pump is installed. This clean water will be pumped into a high elevated reservoir, from where clean water can be distributed to where ever it is needed. The high-level tank has an overflow which leads the clean water back to the main reservoir. This ensures circulation and mixing of clean and unclean water, so the water will not be stagnant and the formation of pathogens can be reduced. Constant circulation of the water through the reservoirs and the sand filters by means of a circulating pump prevents a negative impact on water quality and inhibits unpleasant odors. A drainage outlet of each main reservoir allows discharging more water than the sand filters can clean. The water quality of the drainage outlet should be tested frequently if used.

Kurzreport über die Arbeit und Probleme einer tansanischen Feuerwehr

Hallo ihr Lieben,

verzeiht mir bitte, dass ich solange keinen Bericht mehr verfasst habe. Nach den überwundenen Krankheiten hatte ich allerhand zu erledigen und musste ein paar Dinge vorbereiten und auf den Weg bringen. Ein Ergebnis findet ihr unten in Form eines PDF-Dokumentes. In den letzten Wochen durfte ich die Feuerwehreinheit vor Ort kennenlernen und konnte mir ein Bild über die Arbeit und die aktuelle Lage machen. Alle wichtigen Informationen sind in dem beigefügten Dokument enthalten. Das Dokument wurde bereits an wichtige Instanzen versendet, derzeit warte ich  auf Antwort. Zudem habe ich einen wichtigen Ansprechpartner in Hamburg. Die Hamburger Feuerwehr ist sehr erfahren im Hinblick auf Kooperationen, denn es besteht schon seit mehreren Jahren eine Partnerschaft mit der Feuerwehr in Dar es Salaam. Aktuell wird  ein bundesweites Netzwerk von Feuerwehrpartnerschaften aufgebaut.

Ich hoffe sehr, dass wir die Wehrleute unterstützen können und würde mich sehr freuen, wenn ich Euer Interesse für diese Sache geweckt habe. Meldet Euch gerne, wenn ihr mehr erfahren möchtet. Viel Spaß beim Lesen des Dokumentes.

Kwa heri 🙂

Bericht Feuerwache Karagwe