Wir verlegen endlich Fliesen und helfen gemeinsam Elias

Wir melden uns zurück von der Baustelle und können euch von enormen Fortschritten berichten: Fangen wir mal bei der Zwischendecke an: Alle Zwischendeckenplatten sind angebracht  und vergipst worden, sowie in allen Räumen mit den Zierleisten versehen. Außerdem konnte in der letzten Arbeitswoche bereits ein Großteil der  Zimmerdecken weiß gestrichen werden, in der aktuellen Arbeitswoche werden die Malerarbeiten an den restlichen Zimmerdecken fertigstellt, sodass die Lampen und Rauchmelder aus Deutschland in der kommenden Arbeitswoche installiert werden können.

Montage der Gipsbordüre durch unseren Handwerker Alex
Fertige Gipsbordüre und weiß gestrichene Zimmerdecke (Wandanstrich fehlt noch)

In den Zimmern, in denen bereits die Arbeiten an den Zimmerdecken abgeschlossen sind, konnten die Handwerker schon mit dem Fliesenverlegen beginnen. Die Lieferung der Fliesen aus Dar es Salaam hat doch länger auf sich warten lassen als zuvor gedacht. Dennoch sind am 16.01.2018 unsere Fliesen nahezu unversehrt auf der Baustelle eingetroffen. Zum Glück hat die verspätete Lieferung der Fliesen den restlichen Baubetrieb nicht verzögert -im Gegenteil  sie kamen eigentlich genau zum richtigen Zeitpunkt in Chabalisa an. Zum Fliesenverlegen haben wir drei zusätzliche Handwerker angestellt, die mit dieser Arbeit gut vertraut sind. Da die Fliesen hier nicht zur üblichen Innenausstattung eines Hauses zählen, war es schwierig, Handwerker zu finden, die das Fliesenverlegen präzise genug ausführen können. In der letzten Arbeitswoche konnten bereits vier Kinderzimmer sowie der Flur zwischen diesen Räumlichkeiten mit den entsprechenden Bodenfliesen als auch mit der Fliesen-Bordüre, die als unterer Wandabschluss dient, ausgestattet werden. Somit fehlt in diesen Zimmern lediglich nur noch der Wandanstrich, bevor nach einer Grundreinigung die Möbel an ihren Platz gestellt werden können. Die ersten vier gezimmerten Hochbetten sind bereits am 27.01.2018 auf der Baustelle angekommen und die nächsten vier Stockbetten sind auch schon in Auftrag gegeben.

Ein Teil der gelieferten Fliesen
Das erste Kinderzimmer wird mit Fliesen ausgestattet
Unser Handwerker Foti bei der Arbeit
Der Flur zwischen den Kinderzimmern

Die drei Fliesen-Profis

Auch alle Glasscheiben für die Fenster-und Türrahmen sind angefertigt und fast vollständig eingesetzt worden. Es müssen lediglich nur noch die sechs kleinen Fenster im Sanitärbereich mit den entsprechenden Glasscheiben ausgestattet werden. Wir müssen gestehen, dass uns die Metallfensterrahmen, die von lokalen Handwerkern angefertigt wurden, die meisten Nerven gekostet haben. Da die Rahmen nicht sauber ausgemessen und demnach nicht akkurat genug erstellt wurden, mussten die Handwerker diverse Male mit dem Stromaggregat und dem Schweißgerät auf die Baustelle kommen, um zahlreiche Ausbesserungsarbeiten vorzunehmen. In diesem Hinblick vermissen wir doch ein wenig die deutsche Genauigkeit. In der letzten Arbeitswoche haben wir zudem Flacheisen für die Fenster anfertigen lassen, die zur Montage der Moskitonetze an den Fensterrahmen zusätzlich erforderlich sind. So ist der Austausch im Fall einer Beschädigung der Moskitonetze problemlos möglich.

Das große Rundbogenfenster im kleinen Vorraum zum Sanitärbereich
Gestrichene(s) und verglaste(s) Terrassentür & Fenster im Vorraum der Schwesternwohnung

In der vergangenen Arbeitswoche konnten wir auch die Installationsarbeiten für das Zu-und Abwasser im Gebäude abschließen. Da hier kaum hochwertiges Werkzeug als auch Materialien für die Sanitärinstallation zu finden sind, waren wir sehr froh auf Arbeitsequipment und Materialien zurückgreifen zu können, welche Babu bereits vor Jahren mit den Containern nach Tansania verschifft hatte. Die Sanitäreinrichtung haben wir vor zwei Wochen in Bukoba erworben und auf die Baustelle transportiert. Im Hinblick auf die Stromversorgung gab es Probleme, die den ganzen Prozess deutlich verzögert haben. Jetzt sind jedoch alle Schwierigkeiten überwunden und unser Elektriker Felix sorgt in der aktuellen Arbeitswoche dafür, dass unser Haus endlich an das öffentliche Stromnetz angeschlossen wird. Die letzten vier Zimmertüren als auch alle Holzrahmen für die Glassegmente im oberen Bereich aller Türrahmen werden aktuell von unseren Zimmermännern Silaus und Octavian angefertigt.

Elias -unser Sorgenkind

Eine weitere Geschichte aus Chabalisa, die uns sehr bewegt hat, möchte ich euch ebenfalls nicht vorenthalten. Seit ein paar Tagen berührt uns das Schicksal des 15 jährigen Elias, der unter chronischer Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung) leidet. Elias ist seit Längerem schon auf die Baustelle gekommen, um seine tiefen und äußerst starken Wunden am linken Unterarm von den Schwestern oberflächlich behandeln zu lassen. Bei dem ersten Kontakt mit Elias war uns klar, dass es sich nicht um normale Wunden handelt und dass es enorm wichtig wäre, den Jungen in ein Krankenhaus zu schicken. Nach Absprache mit der Oberschwester von Chabalisa, die sich bislang liebevoll um Elias gekümmert hatte, haben wir kurzerhand einen Termin mit Elias vereinbart und sind mit ihm ins nächstgelegene Krankenhaus gefahren. Der Doktor hat uns gleich ins Bezirkskrankenhaus überwiesen, in dem am Samstag (27.01.2018) eine Röntgenaufnahme vom betroffenen Unterarm gemacht wurde, um zu sehen, ob bereits der Knochen infiziert und geschädigt ist.

Elias während seines Aufenthaltes im Bezirkskrankenhaus
Elias Wunde am Unterarm nach starker Antibiotikabehandlung (Es ist eine enorme Verbesserung zu erkennen)

Von der Oberschwester haben wir in Gesprächen zuvor erfahren, dass Elias Mutter leider die Familie verlassen und der Vater ein Alkoholproblem hat. Die Familie besitzt kaum finanzielle Mittel, sodass der Schulbesuch für Elias nichtmehr möglich ist und auch eine  anständige Behandlung in einem Krankenhaus vorerst ausgeschlossen war.  Für uns stand daher von Beginn an fest, dass wir für die Behandlung aufkommen werden, um den Jungen von seinen starken Schmerzen zu erlösen. Elias musste direkt am Samstag im Krankenhaus bleiben und konnte am Montag (29.01.2018), nachdem alle Injektionen mit Antibiotika verabreicht waren vorerst wieder entlassen werden. Wir waren seit seiner Einweisung jeden Tag im Krankenhaus, um Elias zu besuchen, auf die Ergebnisse zu warten und ihn zu versorgen. Gesa und Max, zwei Freunde aus Deutschland, die uns hier in Tansania besucht hatten, haben Elias ebenfalls ins Herz geschlossen und bei der Versorgung tatkräftig geholfen. Wir haben neue Kleidung, Hygieneartikel, eine Wasserschüssel, Besteck, eine Tasse sowie einen Teller, Obst, Getränke, warme Mahlzeiten und natürlich Süßigkeiten gekauft, um ihn den Aufenthalt so weit weg von Zuhause etwas zu erleichtern. Zum Glück ist Elias Bruder noch am Samstagnachmittag ins Krankenhaus gekommen, um sich dem Sorgenkind anzunehmen. Der Vater ist leider erst am Montag kurz vor Elias Entlassung aufgetaucht, aber es war ihm anzusehen, dass er aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes seines Sohnes ziemlich zweifelt ist und gerne viel mehr für seine Familie tun würde. Nach der starken Antibiotikabehandlung in Form von Spritzen und Tabletten geht es Elias nun deutlich besser. Es ist vermutlich das erste Mal seit langer Zeit, dass Schmerz für ihn nicht das dominierende Gefühl ist. Nach dem Gespräch mit dem Arzt am Montag in dem dann erst die schlechte Diagnose, chronische Osteomyelitis gestellt wurde, war jedoch klar, dass die Antibiotikabehandlung nicht ausreicht. Elias muss noch diese Woche in ein größeres Krankenhaus in  Kagondo reisen, damit ihm ausreichend geholfen werden kann. Dort müssen die infizierten Teile des Knochens entfernt werden und eine Drainage gelegt werden. Felix Papa konnte kurzfristig bei einem Jahresanfangskonzert seiner kleinen Band „The Scones“ einen unglaublich hohen Geldbetrag für Elias Behandlung und Operation sammeln, sodass die Finanzierung nun definitiv kein Hindernis mehr darstellt. Wir befürchten jedoch, dass der Verlauf und die damit einhergehenden Knochenumlagerungsprozesse bereits so stark fortgeschritten sind, dass Elias leider nicht ohne Langzeitschädigungen davon kommt. Der Unterarm ist bislang auch nicht die einzige betroffene Körperregion. Bereits vor Jahren hatte er eine Infektion am Oberschenkel, die leider nicht sorgsam behandelt werden konnte, sodass sich aus einer akuten Knochenmarkentzündung eine chronische Knochenmarkentzündung entwickeln konnte. Elias wird sein Leben lang immer wieder mit plötzlich auftretenden und schwerwiegenden Infektionen zu kämpfen haben, die immer wieder schnell und angemessen mit Antibiotika behandelt werden müssen.

 

Das große Fest in Chabalisa

Mit großen Schritten geht es voran und man erkennt deutlich die Fortschritte auf der Baustelle. Während die bisherigen Arbeiten meist nur im Gebäudeinneren ersichtlich waren, hat sich in den letzten drei Arbeitswochen vor Weihnachten auch die Außenfassade optisch verändert. Alle Fenstermetallrahmen sind mittlerweile eingebaut und einwandfrei von innen und außen verputzt.

Frontansicht mit eingebauten Fenstern
Frontansicht mit eingebauten Fenstern
Eingebaute und sauber verputzte Fenstermetallrahmen im Schwesterntrakt
Erstellen der
Erstellen der Mauerwerkswand im Vorraum zum Sanitärbereich

Auch die Terrassentür im Schwesterntrakt ist eingebaut und beidseitig sauber verputzt worden. Der Vorraum zum Sanitärbereich war bislang nach außen hin offen und der Durchgang wurde als zusätzlicher Zugang zur Baustelle genutzt. Vor Weihnachten haben die Handwerker dort eine 80 cm hohe Mauerwerkswand errichtet. Der Bereich zwischen dem erstellten Mauerwerk und dem Rundbogen darüber wird in der nächsten Woche durch ein großes Fenster verschlossen, das zukünftig für viel Helligkeit sorgen wird. Innerhalb einer Arbeitswoche konnten die Elektroinstallationsarbeiten im und ums Haus abgeschlossen werden. Diese Arbeiten beinhalteten neben der Verkabelung auch das Aufklopfen und Wiederverschließen der Kabelschächte. Unser Elektriker Felix aus Kayanga kümmert sich derzeit darum, dass das Haus an das öffentliche Stromnetz angeschlossen wird. Aufgrund der Feiertage ist dies aber erst im neuen Jahr möglich. Derzeit werden geeignete Bäume gesucht deren Stämme als Strommasten fungieren sollen. Für die große optische Veränderung verantwortlich war besonders das Anbringen der Zwischendeckenplatten, die nun bereits in vielen Räumen vorhanden sind. Anfangs taten sich die Zimmerer im Umgang mit dem Akkuschrauber etwas schwer, aber mit fortschreitender Arbeit haben sie sich an das neumodische Werkzeug gewöhnt.

Anbringen der Zwischendeckenplatten
Anbringen der Zwischendeckenplatten
Ausmessen zum Zuschneiden der Deckenplatten
Ausmessen zum Zuschneiden der Deckenplatten

Leider mussten wir in einem Kinderzimmer den vor Jahren verlegten Estrich komplett entfernen. Das Rissbild war so stark ausgeprägt, dass das Fliesenverlegen nicht problemlos möglich gewesen wäre. Zum Glück ist die Beschaffenheit des alten Estrichs in den anderen vier Kinderschlafräumen akzeptabel für die weiteren Arbeitsschritte.

Aufklopfen des alten Estrichs
Aufklopfen des alten Estrichs

Ein weiterer großer Erfolg stellte für uns das Bestellen aller Fliesen dar. Aufgrund der sehr begrenzten Auswahl in Omurushaka und Kayanga hatten wir uns zuvor dazu entschlossen, die Fliesen in Dar es Salaam zu bestellen. Am Freitag müsste uns die Lieferung vom anderen Ende Tansanias erreicht haben. Nächste Woche werden wir zu dem Bauhändler, der mittlerweile ein Freund geworden ist, fahren und überprüfen, ob die Bestellung vollständig und heile angekommen ist. Durch den guten Kontakt zu dem Händler entstanden für den Transport auch keine Mehrkosten. Obwohl es in Tansania üblich ist, keinen zusätzlichen Bodenbelag auf dem Estrich zu verlegen, haben wir uns für Fliesen im gesamten Gebäude entschieden. Neben der Ästhetik hat das auch entscheidende Vorteile hinsichtlich der Sauberkeit. Leider müssen wir den Bau des Regentanks auf Februar verschieben, weil bis dato noch nicht alle Erdarbeiten abgeschlossen sind. Das liegt vor allem daran, dass wir den Erdaushub im gleichen Arbeitsschritt hinter dem Haus für das Anlegen einer Terrasse aufschütten und sorgfältig verdichten. Für die Erdarbeiten stehen zudem auch nur Schaufeln, Spitzhaken und ein Stampfer zum Verdichten und meist nur eine einzige Schubkarre zur Verfügung. Da bereits viele der notwendigen Baumaterialien für die Konstruktion des Wassertanks geliefert wurden, kann nach Abschluss der Erdarbeiten auch zügig mit dem Betonieren begonnen werden.  In den letzten Arbeitswochen wurden auch alle fehlenden Türrahmen gezimmert und auch eingebaut. Die drei fehlenden Holztüren für die Kinderzimmer sind auch fertiggestellt und auf der Baustelle angekommen.  Jetzt müssen nur noch vier Zimmertüren für den Schwesterntrakt gezimmert werden. Die Zimmertüren werden  jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt, um die Baustelle offen zu halten und die Türen nicht durch andere Arbeiten zu beschädigen.

Als Dankeschön für die gute Zusammenarbeit hatten wir für die Handwerker Weihnachtsgeschenke vorbereitet. Jeder erhielt ein paar Arbeitshandschuhe, eine kleine Tafel fair gehandelte Schokolade und 20.000 TZS Weihnachtsgeld. Das Jahr wurde zudem am 29.12. gemeinsam mit einem großen Fest beendet, zu dem etwa 400 Leute gekommen waren. Im Fokus stand neben der Segnung der beiden Häuser durch Bischof Almachius, besonders das Kennenlernen der Familien mit geistig und körperlich erkrankten Kindern. Speziell für sie wollten wir den Tag besonders gestalten, da viele Eltern mit ihren erkrankten Kindern nur selten das Haus verlassen. Mithilfe von zahlreichen Schwestern, die ebenfalls viel Herzblut in die Vorbereitung und Ausführung das Fest legten, konnten wir eine wunderschöne und herzerwärmende Feier veranstalten, die allen noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Neben einem ausgiebigen Mittagessen, für das wir unter anderem 25 kg Rindfleisch, 3 Hühner, 2 Ziegen, 25 Fische, 50 kg Reis und 100 kg Kartoffeln sowie zahlreiches Gemüse und viele Getränke gekauft hatten, gaben es noch viele andere schöne Programmpunkte.  Wir hoffen von ganzem Herzen, dass wir den Familien durch den Tag mehr Zuversicht schenken konnten, da sie nun das Projekt, die Schwestern und uns kennenlernen konnten. Der Tag hat uns definitiv noch mal gezeigt, wie gesegnet wir sind, solch eine tolle Arbeit ausführen zu dürfen und mich persönlich hat er zu einem der glücklichsten Menschen gemacht, da ich hautnah erleben durfte, wie sehr die Leute sich auf Hilfe freuen, da es sonst keine Unterstützung gibt. Bis vor kurzem war es hier auch nicht unüblich, dass erkrankte Kinder umgebracht wurden, da sie und ihre Krankheit als böses Omen angesehen wurden, welches nur Unheil über die Familie bringt. Zu dem Fest waren ebenfalls all unsere Handwerker mit ihren Familien eingeladen, da diese einen großen Anteil am Erfolg des Projektes haben. Auch ein tansanischer Radiosender war den ganzen Tag live vor Ort, um von unserem Projekt zu berichten.

Einkaufen fürs Fest
Der Einzug zur Messe
Das Festgelände
Kochen für 400 Gäste
Segnung der Häuser durch Bischof Almachius
Segnung der Häuser durch Bischof Almachius
Segnung der Kinder durch Bischof Almachius
Segnung der Kinder durch Bischof Almachius
Segnung der Kinder durch Bischof Almachius

Ich hoffe ich kann noch mehr Menschen davon überzeugen, uns bei diesem wunderbaren Projekt zu unterstützen. Ich denke, dass gerade diese Familien ganz dringend unsere Hilfe benötigen.

Liebe Grüße und einen guten Start ins neue Jahr

Eure Kathi

Erdbeben und Vogelspinne -neue Herausforderungen auf der Baustelle

Hinter uns liegt eine ereignisreiche Arbeitswoche (27.11 – 01.12) in Chabalisa, in der wieder viele Aufgaben erfolgreich umgesetzt und bewältigt werden konnten. Dazu war es zuvor enorm wichtig drei neue Handwerker (Joseph, Robert und Alex) einzustellen, sodass wir nun voller Stolz verkünden können, dass unser Team fortan aus zehn Arbeitern aus der direkten Umgebung besteht.

Das Team
Die Ordensschwestern mit zwei Kindern, die auf dem Gelände leben

Die Holzlattung für die Zwischendecke für das gesamte Gebäude konnte auch in der letzten Arbeitswoche (27.11 – 01.12) fertiggestellt werden. Notwendig für die Fertigstellung war die Lieferung neuer Baumaterialien, die am Mittwoch (22.11) auf der Baustelle eingetroffen war. Für die Lattung hatten wir in Kayanga neue Holzbalken bestellt. Die Beschaffenheit war dabei besonders relevant, um das Risiko eines zukünftigen Befalls von Schädlingen zu minimieren. Gemeinsam mit den Balken wurden auch die Zwischendeckenplatten als auch die Zierleisten aus Gips angeliefert. Die Zwischendeckenplatten können jedoch erst angebracht werden, sobald die Arbeiten für die Elektrik abgeschlossen sind, da die Verkabelung oberhalb der Zwischendecke verlaufen soll. Die Gefahr, dass die Platten aufgrund der Elektroinstallationsarbeiten brechen, wäre zu groß. Um die Kabel für die Lichtschalter und Steckdosen sauber zu verlegen, wurde letzte Woche bereits an entsprechenden Stellen der Putz aufgeklopft.

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Endspurt: Im Eingangsbereich werden die letzten Holzbalken für die Zwischendeckenplatten angebracht
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Aufklopfen der Wände aufgrund der Elektroinstallationsarbeiten

Der Elektriker ist am Sonntag (03.12) extra nach Mwanza, eine Großstadt, die eine Tagesreise entfernt liegt, gereist, um hochwertigen Elektromaterial zu erwerben. Dies ist vor allem von Bedeutung, um das Risiko eines Kabelbrandes zu reduzieren. Im Brandfall sollen jedoch auch Rauchmelder, die Anfang Januar den Weg aus Deutschland auf die Baustelle finden, die zukünftigen Bewohner warnen. In der Arbeitswoche zuvor (20.11 – 24.11) haben die Maurer auch die Feuerschutzwand fertiggestellt, die den hinteren, sich im Rohbau befindenden Gebäudeteil von dem vorderen, zukünftig genutzten Trakt komplett abtrennt. Durch die Wand wird nicht nur die Ausbreitung eines Schadenfeuers eingedämmt, sondern auch verhindert, dass die Fledermäuse, die im hinteren Gebäudeteil nisten, in den vorderen Gebäudetrakt gelangen. Die Mauerarbeiten in der Höhe erforderten besonderes Geschick, da alle Mauersteine einzeln nach oben geworfen und dort aufgefangen werden mussten. Der Mörtel wurde zudem in Eimern an einem Seil nach oben gezogen. Nach Fertigstellung der Feuerschutzwand hatten die Maurer in der Arbeitswoche (20.11 – 24.11) auch zwei neue Metallfenstergestelle eingemauert und sauber verputzt und anschließend mit dem Auftragen eines Oberputzes in sämtlichen Räumen begonnen.

Auftragen des Oberputzes

Derzeit verfügen alle fünf Kinderschlafräume über eingemauerte und fertig verputzte Metallfensterrahmen, drei von ihnen wurden auch schon gesäubert, lackiert und mit Glas versehen. Das Fensterglas sowie weiteres Equipment für diesen Arbeitsschritt mussten wir auch in Kayanga bestellen, nachdem die Einzelmaße für die Glasscheiben bekannt waren. In der letzten Arbeitswoche (27.11 – 01.12) konnten wir weitere fünf große Metallfenstergestelle für die Schwesternwohnung sowie acht kleine Metallfensterrahmen für den Sanitärbereich und die zwei Badezimmer im Schwesterntrakt in Auftrag geben. Es wurden bereits vier große und vier kleine Fenstergestelle geliefert, die auch schon teilweise eingemauert wurden.

Blick auf die fertige „Feuerschutzwand“
Gelieferter Metallfensterrahmen
Nacharbeiten an den Fenstern (Austausch der Fenstergriffe)
Eingebauter Metallfensterrahmen
Außenansicht Schwesterntrakt mit neu eingebauten Metallfensterrahmen
Außenansicht Kinderzimmer mit fertiggestellten Fenstern
Nahaufnahmen eines fertiggestellten Fensters ( aber noch mit falschen Fenstergriffen)

!Zur Info: Die Fenster wurden nicht falsch herum eingebaut. Wir haben es so gemacht, wie es in Tansania üblich ist.

Nachdem die Arbeiten an der Holzlattung für die Zwischendecke im gesamten Gebäude abgeschlossen waren, haben sich die beiden Zimmermänner dem Einbau von bereits gezimmerten Türen, die zuvor mit den notwendigen Schlössern und Griffen ausgestattet wurden, gewidmet. Es war gar nicht so leicht, qualitativ hochwertige Türschlösser und –klinken zu finden. Letztendlich haben wir uns für importierte Türschlösser und –klinken aus Italien entschieden, was zur Folge hatte, dass diese teurer waren als die gezimmerte Tür selbst. Babu hatte einige Tage zuvor schlechte Erfahrungen mit wesentlich günstigeren aber auch qualitativ schlechteren Einbauschlössern und Türgriffen gemacht. Zudem konnte letzte Woche mit einem weiteren Teilprojekt begonnen werden. Wie bereits mehrfach erwähnt, soll das Gebäude mit zwei Wassertanks zum Auffangen des Regenwassers über die Dachflächen ausgestattet werden. Es wurde nun damit begonnen das Areal für den ersten Regentank vorzubereiten, der rund 34000 Liter fassen wird. Im ersten Schritt wurde der Bereich von Gestrüpp und großen Stauden befreit, im Weiteren haben die Arbeiter die ersten Kubikmeter Erde abgetragen. Der Tank wird eine Höhe von über 3,0 Metern und einen Durchmesser von rund 4,40 Metern aufweisen.

Blick auf die Kinderschlafräume und die gezimmerten Türen
Säubern des Geländes auf dem der Regentank gebaut wird
Erdaushub für die Konstruktion des Regentanks

Außerdem sahen wir uns dieser Woche mit einigen Herausforderungen konfrontiert, die auf einer deutschen Baustelle nicht zu den alltäglichen Problemen zählen. Zuerst überraschte uns ein Erdbeben, das uns in der Nacht von Samstag (25.11) auf Sonntag (26.11) ziemlich beunruhigt hatte. Wir wurden von einem tiefen Grollen aus dem Schlaf gerissen, als die Erde zu beben begann. Zum Glück war das Beben nur von kurzer Dauer und richtete keinen Schaden auf der Baustelle und an unserem Wohnhaus an.  Wir konnten nach dem Beben drei Schwalbenküken retten, die mit dem Nest von unserem Dach gefallen waren. Gemeinsam mit Babu haben wir ein provisorisches Nest gebaut, das die Vogeleltern glücklicherweise annahmen. Unsere tierischen Begegnungen gingen am Dienstag (28.11) weiter. Beim Fegen erlitt ich den Schrecken meines Lebens, als ich eine Vogelspinne im Haus entdeckte. Ich wollte die Schauermärchen bis jetzt nicht glauben, dass solche großen behaarten Spinnen auch hier heimisch sind. Jetzt wurde ich jedoch hautnah eines Besseren belehrt. Am Mittwoch (29.11) wurde unsere Baustelle von einer millionenstarken Kolonie Riesen-Ameisen heimgesucht. Diese kleinen Monster hielten uns ziemlich auf trapp, denn wir mussten öfter die Hosen runterlassen, nachdem die Tierchen sich in unseren Beinen festgebissen hatten. Mir war nicht bekannt, dass Ameisen so aggressiv sein können, geschweige denn, dass sie sich festbeißen können. Das Kennenlernen der tierischen Bewohner der Region fand Donnerstag (30.11) seinen Höhepunkt, als wir frühmorgens eine lange Giftschlange vor dem Gebäude entdeckten. Unsere Handwerker waren direkt in Alarmbereitschaft versetzt und hackten die Schlange mit einer Machete in zwei Stücke. Unser Versuch die Ameisenkolonie mit dem Kadaver zu ködern und von der Baustelle wegzulocken, war leider nur mit mäßigem Erfolg gekrönt.

Ich hoffe ich konnte euch durch meinen Bericht einen Einblick in die neusten Entwicklungen rund um das Projekt in Chabalisa geben. In zwei Wochen werdet ihr wieder was von mir hören.

Bis dahin, wünsche ich allen Lesern eine schöne Vorweihnachtszeit

Eure Kathi

Baufortschritte in Chabalisa

Hallo liebe Leserschaft,

seit wir vor drei Wochen mit den Bauarbeiten am und im Haus begonnen haben, hat sich schon viel getan. Die Flächen um das Haus herum haben wir von Gestrüpp, Müll und Bauschutt befreit. Dieser Arbeitsschritt war enorm wichtig um nachfolgende Arbeiten wie das Verputzen der Außenfassade oder das Einsetzen von Fenstern mühelos durchführen zu können. Aufgrund der starken Regenfälle erwies es sich zudem als äußerst sinnvoll, einen ordentlichen Aufgang ins Gebäude als auch einen Zugang zur Baustelle anzulegen. Als Rampe dienen nun drei Betonelemente, die zuvor zu diesem Zweck angefertigt wurden. Die heftigen Regengüsse sind zum einen enorm wichtig für den Obst- und Gemüsegarten auf dem Gelände, führen zum anderen jedoch dazu, dass der Boden ziemlich matschig und rutschig ist. Um dem entgegenzuwirken, haben wir den Weg zum Gebäude mit den Steinchen ausgelegt, die wir aus dem Sand zuvor ausgesiebt haben. Das Sieben stellt eine anstrengende und schweißtreibende Arbeit dar, weil zwischen den Regenfällen die tansanische Sonne ziemlich stark scheint. Sonnencreme und Kopfbedeckung zählen daher zu unseren wichtigsten Ausrüstungsgegenständen.

Rampe am Gebäudeeingang

Parallel zu den Aufräumarbeiten um das Haus waren im Inneren Zimmermänner und Maurer mit dem Innenausbau beschäftigt. Werkzeug und Material dafür waren zum Großteil bereits vor Ort vorhanden, denn Babu John hatte bereits für die Fertigstellung des Haupthauses die notwendigen Baustoffe und Werkzeuge in Containern gelagert. Alle weiteren Materialien, wie Deckenplatten, Gips, Bordürren oder Glas für die Fester haben wir am Wochenende bei Händlern in Omurushaka und Kayanga gekauft.  Während die Zimmerer seit Baubeginn mit der Lattung für die Zwischendecke beschäftigt sind, haben die Maurer bislang vielfältige Arbeiten ausgeführt. Bisher wurden die bereits vorhandenen Türrahmen ordentlich eingebaut, die drei existierenden Fenster von außen verputzt, sowie nicht verputze, als auch zuvor unsauber gearbeitete Mauerwände fertigstellt und ausgebessert. Derzeit sind die Maurer mit dem Hochziehen einer „Feuerschutzwand“ beschäftigt. Diese soll den hinteren, sich noch im Rohbau befindenden Gebäudeteil komplett von dem vorderen Teil, den wir derzeit fertigstellen, abgrenzen. Da unsere finanziellen Mittel als auch unsere Zeit hier in Tansania begrenzt sind, stellen wir vorerst nur den vorderen Gebäudeteil fertig. Hier sollen im Februar schon die Kinder einziehen.

Mischen des Mörtels
Zuschneiden der Lattung für die Zwischendecke / Einsetzen eines Türrahmens
Fertig verputzter Durchgang zum Sanitärbereich
Einsetzen eines Türrahmens zur Schwesternwohnung
Fertig verputzter Fenster-Metallrahmen

Alle angestellten Arbeiter stammen aus der unmittelbaren Umgebung. Gearbeitet wird fünf Tage die Woche von 7:00 -17:00 Uhr. Wir versuchen ebenfalls viele Arbeiten an lokale Handwerker aus Chabalisa zu vergeben, um die Leute in dem Dorf zu unterstützen. So werden zum Beispiel die Metallrahmen aller Fenster in Chabalisa angefertigt. Die Holztürrahmen als auch die Türen selbst werden von unseren Zimmermännern angefertigt, sobald diese die Lattung für die Zwischendecke im gesamten Gebäude angebracht haben. Der Mangel an Arbeitsplätzen in dieser Region wird uns jeden Morgen deutlich, wenn wir eine Reihe von Männern nach Hause schicken müssen, die in Hoffnung auf Arbeit schon früh den Weg zu unsrer Baustelle gesucht haben.

Mauerarbeiten an der „Feuerschutzwand“
Unser Maurer Albert bei der Arbeit
Der Maurer Foti bei der Arbeit an der „Feuerschutzwand“
Unser Maurer Renatus beim Mauern der „Feuerschutzwand“

In den kommenden Tagen müssen wir uns dringend um einen guten Elektriker kümmern. Wir sehen vor, dafür den Handwerker anzustellen, der bereits für die Elektrik am Kirchengelände in Kayanga verantwortlich war. Wir freuen uns sehr, dass Pater Hans uns ziemlich spontan einen Akkuschrauber aus Österreich mitgebracht hat. Mit diesem können wir die Deckenplatten nächste Woche an der Lattung anbringen. Unsere Bemühungen einen Akkuschrauber in Bukoba, der nächstgrößeren Stadt, die zwei Autofahrtstunden entfernt liegt, zu besorgen, blieben erfolglos. Am Donnerstagmorgen werden die restlichen Baumaterialien, die wir am Wochenende erworben haben und die nicht in das private Auto von Babu John gepasst haben, mit einem Lkw auf die Baustelle transportiert. Wir hoffen es läuft alles nach Plan. Über alle weiteren Fortschritte der nächsten Wochen halte ich euch natürlich auf dem Laufenden.

Liebe Grüße aus Tansania

Eure Kathi

Wohnungswechsel und Projektfortschritte

Hallo liebe Leser meines Blogs,

nun bin ich schon wieder seit knapp 4 Wochen in meiner Heimat Tansania. Nach meiner Rückkehr war einiges zu tun und die letzten Wochen waren daher mit reichlich Arbeit gefüllt. Die erste Woche war komplett von meinem Umzug bestimmt, denn wie schon berichtet, habe ich mich noch vor meiner Ausreise dazu entschieden die Unterkunft, aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse und dem damit einhergehenden Problemen mit den Ratten und Flöhen, zu wechseln. Nun lebe ich in einer schönen kleinen Wohnung, die einen großen Raum, ein eigenes Bad und einen geräumigen Flur umfasst. Die Wohnung befindet sich auf dem Kirchengelände der katholischen Kirche in Kayanga, auf welchem auch der Bischof, die Priester als auch die Ordensschwestern leben. Ich fühle mich sehr wohl in diesem Umfeld, denn gleich von Beginn an wurde ich sehr herzlich aufgenommen und konnte bislang immer auf Unterstützung und Hilfe zählen, wenn es ein kleines Problem gab.  Während meiner Abwesenheit wurde die Wohnung bereits mit Möbeln ausgestattet, sodass mir viel Arbeit erspart blieb und ich sogar die erste Nacht nach der Rückkehr dort verbringen konnte. Mittlerweile habe ich alles so eingerichtet und mit persönlichen Gegenständen dekoriert, dass ich mich wirklich überaus wohl fühle. Die Wohnung ist ein Platz, an dem ich  mich gerne aufhalte, zu dem ich gerne zurückkehre und an dem ich wieder Kraft nach getaner Arbeit schöpfen kann.  Das war bei Mavuno leider nicht so, da ich dort mit mehreren Problemen konfrontiert war. Der einzige entscheidende Vorteil in der alten Unterkunft war der Aspekt, dass es dort immer Wasser aus dem Bohrloch gab. In der neuen Wohnung gibt es kein fließendes Wasser, sodass ich jeden Tag zwei Eimer Wasser draußen an einer Verteilerstelle holen muss. Bei dem Wasser handelt es sich um das Regenwasser, das vom Kirchendach fließt und in einem unterirdischen Tag gespeichert wird. Es eignet sich daher nur nach Abkochen zum Trinken und auch Gemüse und Obst lässt sich nur gründlich reinigen, wenn das Wasser zuvor abgekocht wurde. Da Oma und Mama mir einen Tauchsieder mitgebracht hatten, ist das aber kein Problem, vorausgesetzt es gibt Strom. Als äußerst praktisch erweist sich zudem auch die Camping-Herdplatte, die Oma und Mama ebenfalls in ihrem Gepäck mitführten. So kann ich jeden Tag frisch kochen und bin eigenständig. Angemerkt sei jedoch, dass es zudem auch die Möglichkeit gibt, eine Gemeinschaftsküche zu nutzen oder mit den Schwestern, dem Bischof sowie den Priesteranwärtern jeden Tag gemeinsam zu essen.

Auch arbeitstechnisch gab bzw. gibt es viel zu tun, da ich ja fortan meine Arbeitszeit teile. Im Hinblick auf das Mavuno Wasserprojekt wird es bald einen enormen Fortschritt geben. Felix und ich haben ja schon vor ein paar Monaten ein Dokument, das sich mit dem gesamten Wasserprojekt befasst, ausgearbeitet. Dieses haben wir nun um die Dimensionierung der Trinkwasserleitung vom Mavuno Office bis zur Mavuno Secondary School sowie die dafür erforderliche Berechnung des Pumpensystems als auch der Solaranlage erweitert. In den nächsten Tagen wird mit den Bauarbeiten für die Verlegung von 10 km Trinkwasserleitung begonnen. Aufgrund des Umfanges dieses Teilprojektes arbeiten wir eng mit schwedischen Ingenieuren zusammen, die das Projekt teilfinanzieren. Für die restlichen Kosten kommt die Regierung auf. Um eine langfristige, nachhaltige und adäquate Lösung für die differente Fragestellung im Hinblick auf die Berechnung und Dimensionierung zu finden, waren Felix und ich auf zuverlässige Basisdaten angewiesen. Speziell die Datenbeschaffung kann sich  aber schon mal hier in Tansania zu einem langwierigen Prozess entwickeln, selbst wenn die Wichtigkeit der Daten ganz klar kommuniziert wurde. So dauerte es auch mehrere Tage bis endlich ein Nivelliergerät beschaffen werden konnte, um die vorliegende Höhendifferenz der zu überwindenden Distanz zu ermitteln. Ein lokaler Ingenieur hatte zuvor ebenfalls Berechnungen angestellt, die ausschließlich die Dimensionierung des Rohrleitungsnetzes umfassten. Der Ingenieur nutze in seiner Ausarbeitung GPS- Höhendaten, die für eine angemessene Berechnung jedoch nicht präzise genug sind. Wir waren uns daher einig, dass eine erneute Bemessung mit einem Nivelliergerät für unsere Kalkulationen unabdingbar ist. Ein Nivelliergerät konnte dann ganz kurzfristig aus dem etwa 2 Autofahrtstunden entfernten Bukoba organisiert werden. Da dieses eigentlich derzeit für Straßenbauarbeiten in Bukoba genutzt wird, hatten wir einen ziemlichen Zeitdruck. Wir haben das komplette Wochenende durchgearbeitet, um die Strecke von etwa 10 km entlang der staubigen unbefestigten Straße zur Schule schnellstmöglich zu bemessen. Es war aufgrund der starken Sonneneinstrahlung und des Staubes eine anstrengende, aber auch schöne Aufgabe. Das Ziel vor Augen und durch die lieben und dankbaren Worte der Anwohner motiviert, haben wir diese Aufgabe schneller als erwartet erledigt. Auf Grundlage der gesammelten Höhendaten konnten wir dann schließlich, die Berechnungen und Dimensionierungen abschließen und dem gesamten Team präsentieren. Wie bereits erwähnt sind auch schwedische Ingenieure an dem Teilprojekt beteiligt, sodass regelmäßig Skype-Meetings stattfinden, in denen aktuelle Fragestellungen diskutiert und die neusten Entwicklungen besprochen werden. Selbstverständlich ist dabei auch immer der Mavuno-Manager anwesend.

Bohrloch auf dem Mavuno Gelände
Einlassen eines Divers, um einen Pumptest durchzuführen
Bei der Arbeit
Mavuno Mitarbeiter, der uns während den Nivellierarbeiten assistiert hat

Schönes Örtchen, um Mittagspause zu machen

Unsere Wegbegleiter während den Nivellierarbeiten
Die wunderschöne Landschaft von Karagwe

Auch hinsichtlich des Projektes, das die Bauarbeiten an dem Zentrum für körperlich und geistig erkrankte als auch missbrauchte und vergewaltige Kinder umfasst, gibt es unglaubliche Neuigkeiten. Wir haben es geschafft mit der Hilfe von ganz besonders großzügigen und unglaublich herzlichen Menschen, die benötigte Geldsumme zu beschaffen. Auch öffentlich möchte ich mich daher nochmals von ganzem Herzen dafür bedanken und ich spreche dabei im Namen aller Ordensschwestern, die später für die Versorgung und Erziehung der Kinder verantwortlich sind. Ich denke, wir können mit eurer Hilfe ein wunderbares Zuhause für Kinder schaffen, die sonst kaum Perspektiven hätten. Da das Projekt in Chabalisa lokalisiert ist, das etwa eine Autofahrtstunde von meinem Wohnort entfernt liegt, reisen wir immer für mehrere Tage auf die Baustelle und übernachten demnach auch dort. Während dieser Zeit sorgen sich die Ordensschwestern täglich um unser leibliches Wohl während der Pausen und nach der Arbeit. Am Montag (30.10.2017) waren bereits die Arbeiter vor Ort, die die Metallrahmen für die Fenster anfertigen sollen. Da am Dienstag das Skype-Meeting als auch andere Arbeiten bei Mavuno anfallen, reisen wir erst am Mittwoch nach Chabalisa und sind dann bis Freitagabend mit den Bauarbeiten beschäftigt. Für Mittwoch sind Arbeiter bestellt, die gemeinsam mit uns die Lattung für die Zwischendecke anbringen sollen. Außerdem müssen wir diese Woche aufs Dach steigen, um kleine Leckagen auszubessern und das Dach vollständigen abzudichten, bevor die Zwischendeckenplatten angebracht werden. Da Babu John ja ebenfalls parallel an seinem Haus weiterarbeitet, sind bereits alle Materialen vor Ort und auch durch seine Kontakte ist es ein Leichtes gute und zuverlässige Arbeiter zu finden. Weitere wichtige Arbeitsschritte, die in den nächsten Tagen vollzogen werden sollen, sind das Verputzen der Wände als auch das Verlegen des Estrichs. Die Stromkabel sollen oberhalb der Zwischendecke verlegt werden. Wir müssen jedoch noch einen professionellen Elektriker finden, der die Elektroinstallationen anständig ausführen kann. Im Weiteren versuchen wir noch anständige Produkte aus Deutschland zu beschaffen, da  hier fast der gesamte Elektrobedarf aus China importiert wird und aufgrund der schlechten Qualität oftmals eine große Risikoquelle für die Entstehung von Schadensfeuern darstellt.

Besuch von Oma und Mama

Hallo ihr Lieben,

heute melde ich mich mit einer Zusammenfassung meiner Urlaubsreise mit Mama und Oma. Die beiden waren nun zum zweiten Mal in Afrika um mich zu besuchen. Das erste Mal ging es für die Zwei Anfang 2016 nach Äthiopien, dieses Mal erkundeten wir gemeinsam Ruanda und meine neue Heimat Tansania.  Kaum zu glauben, dass meine Oma erneut diese Reise angetreten hat, denn sie ist mittlerweile schon 82 Jahre alt. Dennoch schlägt sie sich immer noch sehr tapfer und ist, wie ihr Arzt schon sagte „unkaputtbar“.  Am 16.09. hatte ich meinen Rückflug aus Äthiopien angetreten und bin über Burundi nach Ruanda geflogen. Dort habe ich schon unser Hotelzimmer inspiziert und auf beide ein paar Stündchen gewartet. Die Zwei sollten eigentlich bereits gegen 20:30 Uhr in Kigali landen, aber sie ließen ziemlich lange auf sich warten, denn der Flug hatte mehr als zwei Stunden Verspätung. Die Aufregung stieg dann weiter an, als endlich der Flug aus Brüssel auf der Anzeigetafel erschien. Freudig und mit einem selbst gemalten Willkommensgruß empfing ich Oma und Mama schließlich in Kigali am Flughafen. Das erste Wiedersehen nach einem halben Jahr Afrika. Zum Glück sahen beide noch so aus wie vor meiner Abreise, sodass ich sie ohne Probleme wiedererkannt habe. Da es schon sehr spät war, ging es für uns gleich ins Hotel. Hier wurden erst mal allerlei Mitbringsel ausgetauscht und es wurde natürlich pausenlos geschwätzt. An dieser Stelle möchte ich mich auch schon mal recht herzlich bei allen lieben Menschen bedanken, die mir diverse Geschenke haben zukommen lassen. Ihr seid soooo lieb! Mama und Oma hatten ebenfalls allerlei Leckereien dabei, über die ich mich ebenfalls wahnsinnig gefreut habe, denn wie so oft schon berichtet, sieht es essentechnisch in Tansania nicht so gut aus. Nachdem wir drei todmüde ins Bett gefallen sind, ging es am nächsten Tag für uns schon früh weiter, denn meine Neugier auf alle Nachrichten aus der Heimat war grenzenlos, sodass ich die beiden schon bei Sonnenaufgang mit Fragen bombardiert habe. Die Anreise erwies sich doch als sehr anstrengend, daher haben wir uns dafür entschieden, den Sonntag gemütlich im Hotel zu verbringen.  Da wir alle sehr gerne Gesellschaftsspiele spielen, folgte ein Duell nach dem anderen.  Am Abend sind wir zum Essen ausgegangen und hatten aufgrund der witzigen Schnappschüsse, die wir von uns machten, eine Menge Spaß. Da Oma mit ihren schneeweißen Haaren immer schnell im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, kamen wir schnell mit den Leuten in Kontakt. Die meisten sind hin und weg, wenn sie auf meine Oma treffen, denn sie begeistert die Menschen mit ihrer Art und das, obwohl sie kein Englisch spricht und versteht. Wenn die Leute dann noch erfahren, wie alt sie wirklich ist, kommen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Endlich wieder vereint

Am Montag haben wir das Genozid-Museum in Kigali besucht, welches 2004 als Mahnmal für den Völkermord eröffnet wurde. Das Memorial Center ist nicht nur ein Museum, das die Grausamkeiten von 1994 durch zahlreiches Bild-und Tonmaterial archiviert, sondern auch eine Gedenkstätte für alle Menschen, die in dieser Zeit einen geliebten Angehörigen verloren haben. Auf dem großen Gelände befinden sich zudem auch Massengräber, in denen 250.000 Menschen begraben wurden. Bislang konnten nur diese Leichen gefunden und anständig begraben werden. Noch bis heute werden große Anstrengungen unternommen, um die Überreste aller Ermordeten zu finden, um auch diese bestatten zu können. Besonders für die Angehörigen sind die Identifizierung und ein anständiges Begräbnis wichtig, da dies bei der Verarbeitung dieser Tragödie hilfreich ist. In einer Periode von 100 Tagen ermordeten damals die Hutu systematisch und überaus brutal über eine Million Tutsi. In den Museumsräumen wird erklärt, wie es zu dem Völkermord kam, d. h., wie sich die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen verschärften, was den Völkermord letztendlich auslöste und wie die Tragödie unter dem wachsamen Auge einer bedeutenden Friedenstruppe der Vereinten Nationen zum vollen Ausbruch kam. Da der Genozid in Ruanda leider nur einer von vielen grausamen Völkermorden in der Weltgeschichte ist, gibt es zudem noch Ausstellungsräume, die über weitere düstere Kapitel weltweit berichten (z. B. Holocaust, Vietnam, Jugoslawien). Der Besuch hat uns zu tiefst erschüttert, denn das, was man dort auf den Bildern und Videoaufnahmen zu sehen bekam, übersteigt jeglichen menschlichen Verstand.

Am Mittwoch (20.09) ging es für uns in den Akagera Nationalpark, der nur etwa zwei Autostunden von Kigali entfernt liegt. Der Park ist etwa 900 km² groß und liegt auf einer Höhe zwischen etwa 1300 und 1800 m Höhe. Zum Park gehören neben den Grassavannen im Norden, die viele Akazien beherbergen, auch Busch- und Baumsavannen im Süden sowie Feuchtgebiete und Sümpfe, die vom Akagera Fluss gebildet werden. Schon früh morgens haben wir uns auf den Weg gemacht, um möglichst viel an einem Tag vom Park und seinen tierischen Bewohnern zu sehen. Nur nach wenigen Minuten Fahrt im Park wurden wir von einer Herde Affen begrüßt. Im Akagera Park leben 11 verschiedene Antilopenarten, sodass uns diese Tiere immer wieder über den Weg liefen, mal alleine und mal in großen Herden. In Seenähe konnten wir viele Flusspferde und Krokodile beobachten. Zahlreiche Zebras und Büffel kreuzten zudem unseren Weg. Nach langem Suchen haben wir sogar drei Giraffen gesichtet, die sich leider, aufgrund des Wetters an diesem Tag, ziemlich gut versteckt hatten. Oma meinte sogar in der Ferne einen Elefanten gesichtet zu haben, fügte aber hinzu, dass es sich hierbei wohl nur um eine Fata Morgana gehandelt haben muss. Ein paar Tage später wurden wir jedoch von Omas scharfsinnigen Blick eines Besseren belehrt, denn sie war auch die Einzige, die auf dem Weg zu meinem Zuhause in Tansania, eine kleine Gruppe Giraffen entdeckte. Mittlerweile sind wir überzeugt, dass es sich bei Omas Wahnvorstellungen im Akagera Park doch tatsächlich um einen Elefanten gehandelt haben muss, den Mama und ich vor lauter Sucherei nicht entdeckt hatten.

Am Samstag den 23.09. haben wir unser schönes Hotel in Kigali verlassen, um uns auf den Weg nach Tansania zu machen. Da die Straßen in Ruanda in einem sehr guten Zustand sind, konnten wir ohne Probleme an die Grenze fahren und dann fing das Chaos an.  Wir drei Damen mussten, an der Grenze angekommen, erst mal mit unserem gesamten Gepäck durch eine Kontrolle. Alle Sachen mussten abgelegt und durchleuchtet werden, sämtliche Gepäckstücke mussten sogar zur Durchsuchung geöffnet werden. Diese Prozedur dauerte angesichts der zahlreichen Gepäckstücke und des tansanischen Arbeitstempos eine halbe Ewigkeit. Nachdem endlich alle Koffer wieder geschlossen werden konnten, ging es weiter mit dem Visumsprozess. Dies nahm ebenfalls einige Zeit in Anspruch, da scheinbar samstags in Tansania langsamer gearbeitet wird. Wir haben wirklich sehr lange warten müssen und das war sogar für mich ungewohnt. Denn auch wenn das Arbeitstempo hier in Tansania nicht mit dem uns bekannten zu vergleichen ist, laufen diese Prozesse sonst immer schneller ab. Wir drei waren heil froh, als die Fahrt endlich weiter ging. In Tansania angekommen, fiel Mama und Oma gleich ein großer Kontrast zu Ruanda auf. Neben der weitaus schlechteren Qualität der Straßenbeschaffenheit, herrscht in Tansania Linksverkehr. Über Buckelpisten kamen wir unserem Ziel immer näher. Der Weg von Rusumo, dem Grenzübergang von Ruanda nach Tansania, nach Karagwe, meiner Heimat in Tansania, führt durch ein Gebiet natürlichen Ursprungs, das die Heimat vieler afrikanischer Wildtiere ist. Wir waren alle drei ziemlich überrascht, als Oma plötzlich drei Giraffen am Straßenrand entdeckte. Wir hätten niemals gedacht, dass wir diesen Tieren mal so nah kommen, denn selbst im Nationalpark lag zwischen uns und den Tieren eine weitaus größere Distanz. Die Giraffen hielten sich etwa in 10 Metern Entfernung von uns auf und waren fleißig dabei die Blätter der Baumkrone zu verspeisen.  Diese einzigartige und unverhoffte Begegnung entschädigte uns definitiv für die Unannehmlichkeiten am Grenzübergang. Gegen Abend haben wir schließlich meine neue Heimat erreicht und ich war wirklich aufgeregt, was Oma und Mama wohl dazu sagen werden. Da alles sehr ländlich ist, ist der Kontrast zu Deutschland natürlich enorm. Wir waren den ganzen Tag unterwegs, sodass wir abends, ohne jegliche Erkundung der Umgebung, glücklich und zufrieden ins Bett gefallen sind. Da wir nur drei Tage hier verbracht haben, hatten wir uns dazu entschieden, uns ein kleines Zimmer und ein Bett im Gästehaus auf dem Gelände der Mavuno Girls Secondary School zu teilen. Schnell wurde klar, wer zuerst schläft, hat gewonnen, weil er die Schnarchkulisse der anderen Bettinsassen nicht ertragen muss. Am nächsten Tag haben Oma und Mama gleich den ländlichen tansanischen Alltag kennengelernt, denn es gab morgens kein Wasser. Da ich mittlerweile sehr erprobt im Umgang mit dieser Problematik bin, habe ich ihnen ein paar Kniffe gezeigt, um das Problem zu relativieren. Denn wenn man sich zu dritt ein kleines Bad ohne Wasser teilt, kann es schnell spaßig werden, wenn jemand auf der Toilette war. Gegen Mittag ging es für Oma und Mama nach Chabalisa. Das kleine Dorf beherbergt mein neues Projekt, das Zentrum für geistig und körperlich erkrankte aber auch traumatisierte Kinder jeglichen Alters. Auf der unbefestigten und unwegsamen „Straße“ dorthin, kamen die beiden an ihre Grenzen, denn es war eine sehr holprige und anstrengende Fahrt. Zwischenzeitlich hatte ich sogar ein schlechtes Gewissen, dass ich die beiden ins Auto gepackt habe, um ihnen das Projekt zu zeigen. Dies war jedoch nach unserer Ankunft schnell vergessen, denn was sie dort sahen, begeisterte sie sehr. Während ich die beiden übers gesamte Gelände und durch die Räumlichkeiten führte, erklärte ich zudem deren Funktion und wie die weiteren zukünftigen Baumaßnahmen aussehen sollen. Wer sich noch mal näher über das Projekt informieren möchte, findet bereits einen Blogeintrag dazu. In ein paar Wochen wird ein neuer Eintrag, speziell zu den konkreten Baumaßnahmen veröffentlicht werden. Nach wie vor würde ich mich wahnsinnig über externe Hilfe freuen, denn für die Verwirklichung alle geplanten Bauvorhaben sind etwa 10.000 Euro notwendig. Auch hier gilt wieder, dass ich weitere Fragen zum Projekt gerne beantworte.

Das Gebäude, das ich zukünftig ausbauen und erweitern darf

Sanitärräume
Blick auf die Zugänge zu den Zimmern der Kinder
Lattung für Zwischendeckenplatten

Der Montag stellte unseren letzten Tag in Tansania dar, an dem die Spendenübergabe der mitgebrachten Feuerwehrausrüstung, die großzügigerweise von der Stadt Kreuztal gesponsert wurde, stattgefunden hat. Dazu habe ich jedoch einen separaten Blogeintrag hochgeladen. Nachdem wir am 26.09. wieder zurück nach Kigali gefahren sind, stand für uns nur noch Erholung auf dem Programm. Wir haben es uns noch in einem schönen Hotel gut gehen lassen und die Zeit gemeinsam genossen. Das nächste Mal sehen wir uns ja erst in einem halben Jahr wieder. Oma und Mama, es war schön, dass ihr mich erneut in Afrika besucht habt. Ich bin so stolz euch beide zu haben und bedanke mich für all die Unterstützung und Hilfe.

Kochbananen

„Kiti moto“ (Gekochtes Schweinefleisch in würziger Soße mit Kochbananen)

Liebe Grüße

Eure Kathi

 

Tag der Spendenübergabe

Der 25.09.2017 stellte unseren letzten Tag in Kayanga dar, an dem wir jedoch noch einiges zu erledigen hatten. An diesem Tag wurde das Feuerwehrequipment, das die Stadt Kreuztal großzügigerweise zur Verfügung gestellt hat, an die Wehrleute in Kayanga ausgehändigt. Mama und Oma hatten zuvor große Mühe all die Ausrüstung in ihren Reisetaschen unterzubringen. Im Gepäck befanden sich Nomex-Jacken und diverse Hemden und Hosen. Außerdem hatten die Beiden ausrangierten Feuerwehrgürtel dabei. Obwohl Oma und Mama nicht vom Fach sind, haben auch sie gleich erkannt, dass die defizitäre Ausrüstung das größte Problem im Hinblick auf eine effiziente Brandbekämpfung ist. Peter, der Bezirksfeuerwehroffizier, hatte sich sogar ein paar Tage zuvor eine schwere Kopfverletzung während eines Löscheinsatzes zugezogen, weil bislang der Eigenschutz, aufgrund fehlender Feuerschutzkleidung, völlig missachtet wird. Zu der Arbeit und zu den Problemen der kleinen tansanischen Feuerwache „Karagwe Fire and Rescue Force“  in Kayanga habe ich bereits einen Report verfasst, der ebenfalls auf meinem Blog zu finden ist. Ich hoffe sehr, dass wir die Feuerwehr in Kayanga noch weiter und vor allem langfristig unterstützen können, denn der Ausbau von Feuerwehrstrukturen ist ebenfalls von enormer Wichtigkeit für die Entwicklung einer Region. Selbst durch viele kleine Schritte könnte zukünftig eine enorme Verbesserung herbeigeführt werden. So verhelfen ausgemustertes Equipment und Feuerschutzausrüstung, die nicht mehr dem aktuellen deutschen Standard entsprechen, der Weiterentwicklung der Feuerwehr mehr, als so mancher denkt. Nachfolgend möchte ich kurz über den Tag der Spendenübergabe berichten, der uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Gegen 9:00 Uhr trafen wir im Verwaltungsgebäude in Kayanga ein, wo wir von einem sehr großen Komitee, bestehend aus der kompletten Feuerwehreinheit und zahlreichen wichtigen Funktionären aus Verwaltung und Politik, empfangen wurden. Manche von den anwesenden Persönlichkeiten waren sogar extra von weither angereist, um bei der Spendenübergabe dabei zu sein. Sogar der oberste Feuerwehroffizier, der für die gesamte Kagera-Region zuständig ist, war vor Ort. Zu Beginn fand ein offizielles Meeting statt, indem wir begrüßt und vorgestellt wurden. Alle anwesenden Personen beschrieben kurz ihre Funktion und Tätigkeit, sodass wir bei der großen Anzahl von Menschen schnell den Überblick verloren hatten. Wir fühlten uns sehr geehrt, denn die Leute nahmen sich wirklich viel Zeit für uns und gaben sich alle Mühe uns willkommen zu heißen. Nach der Vorstellungsrunde kam ich zu Wort und erklärte ausführlich, was wir bisher mit der Unterstützung aus Deutschland erreichen konnten und in Zukunft gerne verwirklichen und weiterführen möchten. Meine Rede beendete ich mit einer Demonstration der mitgebrachten Feuerschutzausrüstung. Dabei erklärte ich die Funktionalität der einzelnen Kleidungsstücke, gab zusätzliche Infos über das Material und schilderte kurz, wie die Feuerwehrwehren in Deutschland strukturiert und ausgerüstet sind. Alle waren schon mächtig begeistert, als sie erfuhren, wie schwer nur eine Nomex-Jacke ist.  Sogar der Bürgermeister sprang direkt auf, um sich einmal komplett mit den neuen Sachen ausrüsten zu lassen.

Danach ging es mit dem gesamten Komitee hinaus zum Feuerwehrfahrzeug, um den Wehrleuten das neue Equipment und die Geldspende zu überreichen. Dabei wurden natürlich zahlreiche Fotos geschossen und wir waren überwältigt von der Begeisterung und Dankbarkeit, die uns von Allen entgegengebracht wurden.

Oma übergibt ihre persönliche Geldspende
Der Bürgermeister übergibt offiziell die Geldspende von Oma und der Löschgruppe Buschhütten an Peter Mmbare

Am Abend wurden Oma, Mama und ich sowie Gregor und Anna, die uns an diesem Tag unterstützt hatten, zu einem großen Essen mit den wichtigsten Funktionären der Stadt eingeladen. Wir waren sehr beschämt, als wir sahen, was die Leute extra für uns organisiert hatten. Neben dem großen Buffet gab es für uns noch traditionelle Geschenke, die uns ebenfalls offiziell übergeben wurden. Diese enorme Freude der Menschen und die Tatsache, dass es der Feuerwehr wirklich an allem mangelt, haben uns in unserer Motivation, die Löschgruppe zu unterstützen, weiter bestärkt.

In der nahen Zukunft möchten wir gerne die Wehrleute mit Schutzhelmen und Handschuhen ausstatten, denn wie bereits beschrieben, ist selbst die ausgemusterte Schutzausrüstung eine große Hilfe. Dennoch liegt unsere größte Bemühung darin, ein Feuerwehrfahrzeug mit ausreichend großem Löschwassertank zu organisieren und nach Tansania zu verschiffen. Im Hinblick auf den Transport hätten wir vermutlich die beste Unterstützung durch die Hamburger Feuerwehr, denn diese pflegt schon seit Jahren eine Partnerschaft zu der Feuerwehrwache in Dar es Salaam, der Hauptstadt Tansanias. Da ich zurzeit nicht zu Hause bin, haben sich Mama und Papa dazu bereit erklärt, sich weiter um die Realisierung des Vorhabens zu kümmern. Mein Vater hatte schon zuvor viele Hebel in Bewegung gesetzt und hat letztendlich auch dafür gesorgt, dass die gesamte Einheit nun mit adäquater Schutzkleidung ausgerüstet ist. An dieser Stelle möchte ich mich deshalb auch noch mal öffentlich bei ihm für sein Engagement und seine Zeit bedanken. DANKE PAPA! Die Wehrleute in Kayanga würden Dich auch gerne mal persönlich kennenlernen. Du bist herzlich eingeladen.

Auch bei allen anderen Unterstützern, wie der Stadt Kreuztal, der Wehrführung der Kreuztaler Feuerwehr und der Löschgruppe Buschhütten möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken. Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich auch bei vielen Anderen durch meine Erzählungen, die Berichte über die Feuerwehr und die Bilder, das Interesse zu Helfen und zu Unterstützen, wecken kann. Der letzte große Dank geht an meine Oma und meine Mama, die extra den Weg nach Tansania auf sich genommen haben und zahlreiche Kilogramm an Feuerwehrschutzausrüstung in ihrem Gepäck mitgeführt haben. IHR SEID KLASSE! DANKESCHÖN!.

 

Wasserprojekt in Äthiopien

Einen Tag nach dem Zwischenseminar ging es für mich endlich wieder von Kigali aus in mein geliebtes Äthiopien. Das erste Mal jedoch für mich während der Regenzeit, sodass ich nun auch selbst erfahren habe, wie unglaublich kalt es, vor allem in Addis, sein kann. Dieser Aufenthalt in Äthiopien unterschied sich, abgesehen von der Terminierung, auch sonst ziemlich von meinen bisherigen Reisen. Es war meine erste Reise ohne Bezabeh und im Fokus stand dieses Mal nicht das Schulprojekt, sondern das Wasserprojekt von „Engineers without Borders (EWB)“ der Uni Karlsruhe. Da meine Zeit diesmal stark begrenzt war, da viel Zeit für das Wasserprojekt eingeplant war, hatte ich von Beginn an immer einen vollen Terminplan. Dennoch konnte ich leider nicht allen Einladungen folgen und konnte so ein paar meiner Freunde nur kurz oder gar nicht treffen. Da zum Zeitpunkt meiner Anwesenheit noch Schulferien in Äthiopien waren, begrenzte sich mein Projektbesuch in Abosto auch nur auf die Besichtigung der neuen Schulräume. Der Bau ist nun abgeschlossen und die neuen Räume können jetzt nach den Schulferien genutzt werden. Da ich dies vor meinem Flug nicht berücksichtig hatte, war ich etwas enttäuscht, denn ich hätte sehr gerne ein wenig Zeit mit den Kindern verbracht. Auf einen Besuch in Arba Minch, dem alten Projektstandort, musste ich aus zeittechnischen Gründen leider ganz verzichten.

Dieses Mal war es mir aber zum ersten Mal möglich, das äthiopische Neujahr mitzuerleben. Äthiopien folgt einer Variante des koptischen Kalenders und liegt damit im Vergleich zu unserem gregorianischen Kalender 7 Jahre und 8 Monate hinterher. Das Kalenderjahr beginnt am 11., beziehungsweise im Jahr vor einem Schaltjahr am 12. September.  Außerdem umfasst das äthiopische Jahr 13 Monate, wobei die ersten 12 jeweils 30 Tage umfassen und der 13., der Schaltmonat, hingegen nur 5 bzw. 6 Tage dauert. So feierten die Äthiopier am 12.09. das neue Jahr 2010. Es ist nicht üblich, dass man bis Mitternacht wartet, um ins neue Jahr zu feiern. Vielmehr steht der erste Neujahrstag im Zeichen der Familie und reichlich Essen. Die Familie kommt zusammen und isst den ganzen Tag über allerlei äthiopische Köstlichkeiten, die schon Tage vorher mühevoll vorbereiten werden. Gerade um diese Zeit wird viel geschlachtet, denn Fleisch ist enorm teuer und wird bei vielen Familien nur an diesen besonderen Feiertagen serviert. Mein Tag startete bereits mit einem sehr leckeren und deftigen Frühstück zu Hause bei Bezabeh in Hawassa, das seine Partnerin (Zewdenesch) vorbereitet hatte. Anschließend habe ich mich auf den Weg zu meiner Freundin Theras gemacht, die mich zum Essen eingeladen hatte. Es gab unglaublich viel „Injera“, das traditionelle äthiopische Brot und ein weiteres frisch gebackenes Festtagsbrot. Dabei wurde „Doro Wot“ serviert, Hühnchen mit Ei in scharfer Soße. Theras hatte auch extra ein spezielles Getränk aus Gerste zubereitet, das typischerweise in Äthiopien an Feiertagen verzehrt wird. Da ich letztes Jahr eine ziemlich böse Erfahrung nach dem Verzehr gesammelt hatte, musste ich lachend erklären, dass ich mich dieses Mal nicht traue, ein Glas zu trinken. Mir wurde nämlich schon bei dem Geruch ziemlich schlecht. Nach dem Essen durfte natürlich die traditionelle äthiopische Kaffeezeremonie nicht fehlen. Zu diesem Anlass hatte Theras ihr ganzes Zimmer hübsch geschmückt. Ich war schon ziemlich voll gefuttert, als ich mich wieder auf den Rückweg machte, um einer weiteren Einladung zu folgen. Ich machte mich mit Zewdenesch auf den Weg zu ihrer Schwester, die mit ihrer Familie in Shashemene lebt. Hier wurden wir sehr herzlich begrüßt und, wie sollte es bei der großen äthiopischen Gastfreundlichkeit anders sein, zum Essen eingeladen. Da alle immer sehr um das leibliche Wohl ihrer Gäste bemüht sind, ist es immer ziemlich schwer, das Essen abzuschlagen. Aber da ich schon ziemlich satt war, passte wirklich nichts mehr in meinen Bauch. Aber genau diese Gastfreundlichkeit und die Herzlichkeit sowie Offenheit der Menschen, sind genau das, was ich so sehr an diesem Land liebe. Nach einem schönen Nachmittag bei der Familie ging es für uns zurück nach Hawassa und weiter zu unseren Nachbarn, die ebenfalls schon mit einem reichhaltigen Mal auf uns gewartete haben. An diesem Abend bin ich tot müde und absolut zufrieden und vollgestopft ins Bett gefallen.

Meine Freundin Theras

Traditionelle Kaffeezeremonie

 

Während der Tage, die ich am Wasserprojekt mitarbeiten durfte, habe ich wohl die bisher intensivsten und prägendsten Erfahrungen in einem bisherigen Leben gesammelt. Im ersten Schritt ging es für Felix, Paul und mich auf nach Jello, ein kleines ziemlich abgelegenes Dorf, indem die studentische Arbeitsgruppe von EWB Karlsruhe im Jahr 2016 ein Wasserprojekt erfolgreich implementieren konnte. Felix war damals der Manager des Wasserprojektes und Paul schon ein wichtiges Mitglied der Arbeitsgruppe.

Fahrt nach Jello

Damals wurde der gebohrte Brunnen mit einer Solarpumpe ausgestattet, die dazu notwendige Solartechnik installiert, Wasserleitungen verlegt, ein Gebäude für die Elektronik und die Hochtanks konstruiert und Zapfstellen eingerichtet. Nach dem Abschluss des Projektes war es für die Dorfbewohner zum ersten Mal möglich sauberes Trinkwasser zu nutzen, ohne vorher erst kilometerweite Wege zurückzulegen. Im Frühjahr 2017 wurde das Trinkwasserprojekt noch um die Konstruktion von Duschanlagen und Waschtischen erweitert. Der Besuch war nötig um das ganze Werkzeug abzuholen, war jedoch auch ein ganz besonderes Highlight für die beiden Jungs, da diese dort letztes Jahr mehrere Wochen bzw. Monate verbracht hatten. Schon bei unserer Ankunft war die unglaubliche Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der Menschen überwältigend. Selbst ich fühlte mich gleich aufgenommen und wohl und fand schnell Anschluss und Zugang zu den Leuten.

Blick auf das Gebäude mit den Wassertanks und der Elektronik sowie auf die Duschanlagen
Wasserverteilstellen
Ein Blick auf Jello während der Regenzeit
Traditionelle Wohnhütte
Ein Blick ins Innere einer traditionellen Rundhütte
Die Kinder von Jello
Gruppenbild v.l.n.r.: Felix, Kathi, Yilma und Paul
Destena mit zwei von ihren Kindern und mit mir
Destena und ihre Familie

Durch Felix und Pauls Kontakte wurden wir ständig eingeladen und waren daher Teil der Dorfgemeinschaft. Während unseres Aufenthaltes erledigten wir noch ein paar Reparaturen an der Duschanlage, aber im Fokus stand ganz eindeutig die gemeinsame Zeit mit den Menschen. Die Zeit in Jello war zwar kurz aber dennoch sehr intensiv und absolut beeindruckend. Während wir dort waren, schliefen wir in Zelten, um nicht so schnell von Flöhen befallen zu werden. Da wir jedoch auch viel Zeit in den Hütten der Menschen verbracht hatten, die diese mit ihrem Vieh bewohnen, war alle Mühe umsonst und die kleinen Biester befielen uns gleich. Auch wenn ich mittlerweile eine riesengroße Abneigung gegen Flöhe habe und wirklich alle Anstrengungen unternehme, um mich nicht mit ihnen rumschlagen zu müssen, würde ich diese Unannehmlichkeit in Jello wieder in Kauf nehmen. Die Erlebnisse dort haben mich so ergriffen und die Menschen haben mich so beeindruckt, dass ich jederzeit dorthin zurückkehren würde. Obwohl diese Menschen mit dem Minimum auskommen müssen, strahlen sie eine unglaubliche Lebensfreude und Glückseligkeit aus. Das Wasserprojekt brachte einen enormen Fortschritt, dennoch ernähren sich die Menschen fast ausschließlich von Maiskörnern. Kaffee spielt in ihrem alltäglichen Leben ebenfalls eine große Rolle, denn schon die Kleinsten trinken diesen rund um die Uhr. Der Kaffee wird mit Salz zubereitet, um die nötige Menge an Salz dem Körper zu zuführen. Zucker ist für die meisten Dorfbewohner ohnehin viel zu teuer. Manchmal enthält der  Kaffee zusätzlich Zwiebel, Knoblauch oder Butter aus Ziegenmilch. Geschmacklich keine Glanzleistung, aber es soll unglaublich gesund sein. Da ich eigentlich absolut keinen Kaffee mag, war der tägliche Verzehr dieser speziellen Mixtur eine kleine Herausforderung. Ich habe mir einfach immer vorgestellt, dass es sich um eine Brühe handelt und nach einiger Zeit kostete es mich keinerlei Überwindung mehr. In Anbetracht dessen, dass die Leute fast gar nichts besitzen und dennoch ihr Essen und Trinken gerne teilen wollen, wirkt diese Großzügigkeit unermesslich. Es ist unglaublich, wie liebevoll die Menschen in Jello sind und ich bin überaus dankbar, dass ich für ein paar Tage ein Teil der Dorfgemeinschaft sein durfte.

Nach unserem Aufenthalt in Jello ging es für uns drei weiter nach Ushegola, dem Dorf in dem das neue Wasserprojekt lokalisiert ist. Die Fahrt dorthin war sehr abenteuerlich. Wie schon auf dem Hinweg, wurden wir und unser Gepäck von einem Pferdchen transportiert, da die Wege zu den kleinen Dörfern während der Regenzeit viel zu unwegsam für andere Transportmittel sind. Mit uns auf den Weg machten sich zwei Eselskarren, die voll beladen mit unserm ganzen Werkzeug waren. Schon nach ein paar Minuten setze der Regen ein und viele Wege wurden aufgrund der enormen Wassermassen überspült. Die Pferdekutsche hat  Gräben bezwungen, bei denen ich es nie für möglich gehalten hätte, dass wir heile auf der anderen Seite ankommen. Wenn es bergauf oder bergab ging, sind wir von der Kutsche gestiegen, um das Pferdchen zu entlasten. Manchmal haben wir auch von hinten geschoben, damit das Pferd den Anstieg meistern konnte.

Mit Werkzeug voll beladene Eselskarren
Auf dem Weg von Jello nach Ushegola
Bearbeitung des Bodens bevor das Pferd den Anstieg meistern musste

Dennoch gab es besonders bei steilen Anstiegen große Schwierigkeiten, da das Pferd auf dem aufgeweichten Boden keinerlei Halt hatte. Bevor das Pferd den Versuch wagen durfte, den Anstieg zu überwinden, wurde der Boden aufgehackt. Zwei Mal war jedoch auch diese Mühe vergebens und das Pferd ist ausgerutscht. Wir versuchten noch von hinten zu schieben, aber es war aussichtslos. Kurze Zeit dachten wir sogar, dass es das Pferd nicht überleben würde, denn es hatte sich ziemlich schwere Verletzungen zu gezogen. Wir wollten eigentlich den Rest laufen, aber da das nächstgrößere Dorf sich noch zu weit weg befand, wir viele Kilo an Gepäck dabei hatten und der Regen immer noch ziemlich heftig war, entschieden wir uns weiter mit der Kutsche zu fahren. Das Pferd war ziemlich tapfer und zäh und es erholte sich nach dem Sturz verhältnismäßig gut. Wir wollten das Pferd dennoch nicht überstrapazieren und gingen auch viele Meter zu Fuß. Nach mehreren Stunden hatten wir dann endlich Jamaya erreicht. Wir waren  bis auf die Unterwäsche nass, sogar unsere Sachen in den Taschen blieben nicht verschont. In einem kleinen Lokal haben wir uns aus-und umgezogen und uns versucht mit Tee aufzuwärmen. Anschließend ging es dann noch die letzten Kilometer zum Dorf mit einem Motorrad weiter. Im Dorf wurden wir sehr herzlich begrüßt und es gab gleich zu Beginn ein Meeting mit den Dorfältesten. Da Felix fließend Amharisch spricht, war durch ihn eine gute Kommunikation mit den Dorfbewohnern gesichert. Nun folgt eine kurze Beschreibung zum umgesetzten Wasserprojekt:

Ushegola ist ein kleines Dorf, das rund 20 km Luftlinie von Jello entfernt liegt. Ähnlich wie dort stellt die Wasserknappheit in Ushegola ein essenzielles Problem für die rund 4.000 Einwohner dar. Die Regierung hatte im Nachbarort „Megere“ bereits vor einigen Jahren ein Bohrloch gebohrt, das mithilfe eines Dieselgenerators nur sehr unzuverlässig Wasser bereitstellen kann. Oft gibt es tagelang keinen Sprit und somit auch kein Wasser, da die Pumpe so nicht in Betrieb gesetzt werden kann. Außerdem wird wegen der Überhitzungsgefahr des Generators nur nachts gepumpt, sodass häufig tagsüber nicht ausreichend Wasser für die Bewohner Megeres und Ushegolas zur Verfügung steht. Wegen Wartungsproblemen stand der Brunnen schon mehrere Monate still, sodass sich die Menschen seither eine zuverlässige sowie nachhaltige Wasserversorgung wünschten.

Ähnlich wie bei dem Projekt in Jello wurde deshalb in Ushegola ein Brunnen gebohrt, der mit Hilfe einer Solaranlage das saubere Grundwasser bereitstellen soll. 40 Solarpanels stellen nach Fertigstellung des Projekts die Energie zur Verfügung, um das Wasser aus ca. 75 m Tiefe zuerst in einen Hochtank zu fördern, von wo aus eine Ausgabestelle in Ushegola, und mithilfe einer Leitungsbrücke auch eine Ausgabestelle in Megere versorgt wird.

Soweit der Plan – als Paul, Felix und ich jedoch in Ushegola ankamen, schien das alles noch in weiter Ferne zu liegen, da das unscheinbare Bohrloch und die zuvor eingekauften Baumaterialien, welche in einer Lehmhütte lagerten, noch nicht viel von den anstehenden Bauarbeiten erahnen ließen. Die ersten beiden Tage verbrachten wir hauptsächlich damit, das Material zu sichten und Nachbestellungen aufzugeben. Zudem haben wir die Flächen auf der Baustelle abgesteckt, auf denen die einzelnen Systemkomponenten errichtet werden sollten. Wir mussten außerdem das ursprünglich geplante Konzept etwas abändern, da unsere lokale Partnerorganisation andere Materialien und Fittings als die auf der Bestellliste eigentlich aufgeführten, gekauft hatte. Die angestrebte Zusammenarbeit mit der Regierung führte noch dazu, dass einige neue Regularien bei der Projektrealisierung berücksichtigt werden mussten. Bei einem Zusammentreffen stellten wir beiden Dorfgemeinden dann unser genaues Vorhaben noch einmal im Detail vor. Dabei haben wir besonders auf die Wünsche der Dorfbewohner geachtet, denn diese sind die Endnutzer, die das Wasserversorgungssystem langfristig nutzen werden.  Speziell die exakte Lokalisierung der Wasservergabestellen wurde mit den Leuten abgesprochen und wir gaben uns größte Mühe weitere Wünsche zu berücksichtigen und zu integrieren. Auch wenn die ganze Planungsarbeit der ersten Tage ein wenig mühselig war und man den Fortschritt nicht mit Händen greifen konnte, spürten wir doch deutlich die Dankbarkeit der Menschen, die uns bei jeder Gelegenheit zu salzigem Kaffee und Mais in ihre Hütten einluden.

Unsere Unterkunft
Der Innenraum
Ein Teil der Baumaterialien
Die bestellten Wassertanks
Vermessungsarbeiten
Vorbereitungen für den Bau des Elektronik-Hauses

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Es war geplant gleich zu Beginn unserer Arbeit die Pumpe in das Bohrloch hinunterzulassen, sie mit den Solarpanels und dem Controllerschaltkasten zu verbinden und somit so schnell wie möglich Wasser für die weiteren Bauarbeiten – und noch viel wichtiger – für die Dorfbewohner zur Verfügung zu stellen. Da die Pumpe mit ihrem Motor alleine schon über 70 Kilogramm wiegt und mit dem Pumpenkabel und dem Förderrohr ein Gesamtgewicht von knapp 200 kg in das Bohrloch gehängt wird, musste dafür eine Pumpaufständerung gebaut werden. Die dafür benötigten Stahlrohre waren leider noch nicht auf der Baustelle eingetroffen, sodass die Pumpe erst installiert werden konnte, als ich schon in Rwanda war. Ich will euch aber trotzdem nicht die Fotos vorenthalten, von dem Moment in dem zum ersten Mal Wasser floss und von dem Fortschritt der Baustelle, die in diesen Tagen fertiggestellt wird.

Konstruktion von Werkbank und Sonnenunterstand
Baustelleneinrichtung
Transport der Zementsteinblöcke von Megere nach Ushegola
Rast nach getaner Arbeit
Fertige Pumpenaufständerung
Verbinden von Pumpe und Pumpenmotor
Einhängen der Pumpe
100 Meter Förderschlauch und Pumpenkabel
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Einlassen der Pumpe ins Bohrloch
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Fundament für den Brückenpfeiler
Blick auf das Bohrloch, das Elektronikhaus sowie die Solarpanels
Provisorische Aufständerung der 40 Solarpanels
Wasser in Ushegola

Provisorische Wasserausgabe

Ein herzliches Dankeschön geht an Paul für die wunderbaren Bilder.

Liebe Grüße aus Tansania

Eure Kathi

Mein Aufenthalt in Rwanda

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich ein Bisschen über meine Erlebnisse aus Rwanda und Äthiopien berichten. Nach Rwanda bin ich bereits Anfang August aufgebrochen, da Mitte August das Zwischenseminar in Kibuye anstand. Weil Nina, Christian und ich extra dafür ausreisen mussten und dementsprechend ein Visum brauchten, haben wir das Ganze mit einer kleinen Rundreise verknüpft. Zuerst haben wir gemeinsam ein paar Tage in Kigali, der Hauptstadt Rwandas, verbracht. Wir haben jede Gelegenheit wahrgenommen, um uns noch mal richtig durchzuschlämmen, denn wie bereits mehrfach erwähnt, ist Tansanias Esskultur nur sehr dürftig ausgeprägt. Gerade in meiner Region gibt es zudem kaum internationale Gerichte, sodass ich wirklich froh war, einmal wieder ausgewogen und vielfältig zu essen. Wenn wir nicht mit Essen beschäftigt waren, haben wir die Zeit genutzt, um ein paar Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Da Marvin, ein weiterer Freiwilliger, in Kigali lebt, hatten wir natürlich einen guten Ansprechpartner für allerlei Aktivitäten.

Blick auf Kigalis City Center
Blick auf Kigalis City Center
Großer Kitenge-Markt in Kigali
Großer Kitenge-Markt (Kimironko)

Rwanda hat mich in den wenigen Tagen mächtig begeistert, denn man erkennt eindeutig, dass sich das Land in großem Aufschwung befindet und derzeit sehr viel Entwicklung durchlebt. Besonders Kigali ist mittlerweile sehr gut und weit entwickelt und es ist eindeutig ersichtlich, dass das Ganze mit System stattfindet. Im Vergleich zu Tansania habe ich Rwanda auch als wesentlich teurer empfunden, was jedoch auch damit zusammenhängt, dass ich wirklich sehr ländlich in Tansania lebe und dort eigentlich das Meiste, das angeboten wird, sehr günstig ist. Zudem habe ich innerhalb Rwandas meist Städte bereist, die ohnehin immer teurer sind. Im Verhältnis zu den ostafrikanischen Ländern, die ich bislang kennengelernt habe, ist es in Rwanda zudem sehr sauber. In den letzten Jahren wurden in Rwanda sehr viele Anstrengungen unternommen, um einen positiven Umweltgedanken bei der Bevölkerung zu implementieren. Es gilt beispielsweise landesweit ein Plastiktüten-Verbot und auf den Straßen liegt vergleichsweise wenig Müll. Was dennoch nicht außer Acht gelassen werden darf, ist, dass es auch innerhalb Rwandas große Unterschiede gibt und in den ländlichen Regionen nach wie vor ein enormer Entwicklungsrückstand herrscht. Nachdem wir Kigali unsicher gemacht hatten, ging es für uns weiter nach Musanze, wo Leonie und Leonard, zwei Freiwillige aus Deutschland, derzeit wohnen und arbeiten. Somit hatten wir auch dort immer was zu tun und beide waren stets bemüht, uns viel von ihrem neuen Zuhause zu zeigen. Da Rwanda nur eine Fläche von 26.338 km² besitzt, und somit etwa so groß ist wie Mecklenburg-Vorpommern, ist es ziemlich angenehm, sich innerhalb des Landes mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen. An einem Tag ist es möglich, quer durchs ganze Land zu fahren. Rwandas Straßen bzw. die Hauptverkehrsrouten über Land sind zudem meist in einem sehr guten Zustand, was die Fahrtzeit auch sehr verkürzen kann. In Tansania kommt es nicht selten vor, dass man aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse für nur 35 km mehr als eine Stunde braucht. Was außerdem sehr angenehm in Rwanda ist, ist, dass man ausreichend Platz im Bus hat, denn jedem Sitzplatz wird nur ein Fahrgast zugeordnet. Hat man zudem viel Gepäck dabei, muss ein weiterer Sitzplatz für die Unterbringung des Koffers oder der Tasche gezahlt werden. In Tansania werden die öffentlichen Verkehrsmittel gnadenlos mit Menschen und Gepäck vollgeladen. Hier ist man sich sicher, dass man den ganzen Weg ziemlich gequetscht, eng aneinandergereiht zurücklegen muss. Oft passiert es, dass mir gleich nach 10 Minuten die Beine wegen der Enge einschlafen und ich sie eigentlich so lange nicht spüre, bis ich endlich mein Ziel erreicht habe und aussteigen kann.

Die letzte Station in Rwanda vor meinem Zwischenseminar war Gisenyi, was genau an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo liegt. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Kiwu-See war es dort unglaublich schön und wir haben die Zeit zum Entspannen genutzt. Zu unserem Aufenthalt in Gisenyi fällt mir noch eine äußerst amüsante Geschichte ein. Nachdem wir dort angekommen waren, hatten wir alle ziemlichen Appetit. Die erste Nacht in Gisenyi haben wir mit einem Freund aus Tansania verbracht, dessen Onkel sich derzeit zum Arbeiten ebenfalls dort aufhielt. Da sein Onkel des Öfteren dort beruflich unterwegs ist und sich deshalb gut vor Ort auskennt, dachten wir es sei eine super Idee ihn zu fragen, ob er mit uns in die Stadt gehen möchte, um uns ein gutes Lokal zu zeigen, in dem wir gemeinsam zu Abend essen können. Er führte uns in ein Lokal, das auf den ersten Blick wie eine Bar aussah. Die Frage, ob man denn hier auch etwas Anständiges zu essen bekommt, bejahte er mehrfach. So ließen wir uns davon überzeugen uns dort niederzulassen. Skeptisch wurden wir dann, als wir eine Ewigkeit auf unsere Bestellung warten mussten. Als sich William, ein Mitreisender aus Holland, genauer umgeschaut hatte und schmunzelt zurückkehrte, wurde uns alles klar. Wir waren in einem Stripclub bzw. Bordell gelandet. Nach etwa zwei Stunden kam dann endlich unser Essen. Ich hatte vor lauter Lachen Tränen in den Augen, denn die Speisen waren so verkohlt, dass man bei der Bestellung der Jungs kaum ausmachen konnte, ob es sich um Rind oder Fisch handelte. Mein Salat hingegen sah ganz in Ordnung aus, doch ich hatte enorme Bedenken, ob der Verzehr mich nicht eine Magenverstimmung bescheren könnte. Der große Hunger zwang uns alle jedoch dazu, das vorgesetzte Essen zu verschlingen. Am Ende erwartete uns dann eine enorm hohe Rechnung, die ganz und gar nicht dem Wert und der Qualität der bestellten Gerichte entsprach. An diesem Abend lernten wir alle, dass man solch eine Lokalität nicht zum Essen gehen aufsuchen sollte, denn die Rechnung lässt einen mit den Ohren schlackern. Am besten, man besucht solch ein Etablissement nur, wenn man auf der Suche nach anderen Gelüsten ist.

Gisenyi
Rwandas wunderbare Straßen
Gisenyi
Blick auf Gisenyi

Nach ein paar Tagen Erholung ging es dann weiter nach Kibuye zum Zwischenseminar. Dieses war vollgepackt mit Arbeit und wir waren eigentlich den ganzen Tag mit den uns zugeteilten Aufgaben beschäftigt. Im Fokus des Seminars stand die Selbstevaluation, die uns dabei helfen soll, das bisher Erlebte in der neuen Heimat zu reflektieren, bewerten, hinterfragen und ordnen. Zudem sollten durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Arbeitsumfeld sowie dem sozialen Umfeld neue Blickwinkel, Ideen und Ziele für die bevorstehende Zeit geschaffen werden.

Gruppenbild mit allen Seminarteilnehmern und dem Seminarleiter
Gruppenbild mit allen Seminarteilnehmern und dem Seminarleiter

 

Blick auf den Kiwu-See
Blick auf den Kiwu-See
Badespaß im Kiwu-See
Badespaß mit Christian und Marvin

 

 

Aktuelle Lage

Hallo ihr Lieben,

es ist Einiges passiert, seit meiner letzten Berichterstattung. Ich musste mich die letzten drei Wochen erneut zwei Mal mit Flöhen herumschlagen und war demnach ziemlich niedergeschlagen. Ich habe seit der letzten Flohplage immer wieder versucht den Verantwortlichen bei Mavuno klar zu machen, dass die Ursache des Problems bekämpft werden muss und es nicht ausreicht, dass ich mein Zimmer und meine Kleidung reinige und sauber halte. Da überall Ratten unterwegs waren, die die Flöhe überall verteilt haben, durfte ich mich also nun zum 4. Mal mit den kleinen Plagegeistern rumplagen. Ich hatte mir wirklich alle Mühe gegeben mein Zimmer so gut, wie hier nur möglich, sauber zu halten und alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um nicht wieder von Flöhen gebissen zu werden. Da das aber wohl nicht ausreichend war bzw. ist, habe ich nun die Konsequenz gezogen und mir ein neues Zuhause gesucht. Meine Beine sehen aufgrund der Bisse aus wie ein Schlachtfeld und zudem habe ich überhaupt nicht mehr schlafen können. Da es sich um Rattenflöhe gehandelt hat, war ich auch in einem Krankenhaus, das zwei Stunden von meinem Heimatort entfernt liegt, um einen Bluttest zu veranlassen, der mögliche Folgeerkrankungen aufdecken sollte. Zum Glück ist das Ganze recht gut ausgegangen, bis auf ein paar Entzündungen habe ich nur eine Infektion, die ich nun mit Antibiotika behandeln lasse. Die ganze Waschprozedur dauerte wieder tagelange, da wie bereits beim letzten Mal beschrieben, das ganze Wasser mühevoll Topf für Topf über dem Feuer abgekocht werden musste. Eine neue Matratze und Bettzeug musste ebenfalls wieder her, weil meine Sachen erneut völlig kontaminiert sind und es sich hier auf dem Land alles andere als einfach gestaltet eine Matratze und Bettzeug sorgfältig und garantiert erfolgreich zu reinigen. Nach der 4. Flohbekämpfung hier in Tansania bin ich definitiv ziemlich abgehärtet und zurück in Deutschland kann mich so schnell nichts mehr aus der Bahn werfen.

Das ausgearbeitete Entwässerungsprojekt sollte eigentlich schon in die Bauphase übergehen, aber ich habe mich dazu entschieden mit der Umsetzungsphase erst Ende September zu beginnen. Das hat gleich mehrere Gründe. Zum Einen bin ich aufgrund der Flöhe fast drei Wochen lang ausgefallen, da ich den Umzug managen musste und ja auch erst mal alles sorgfältig reinigen musste. Da bei der ersten Reinigung mindestens ein Floh überlebt haben muss und nach einer Woche neue Stiche aufgetaucht sind, musste das Ganze also wieder erneut erfolgen und hat dementsprechend viel Zeit und Nerven gekostet. Jetzt scheint das Problem aber endgültig gelöst und ich bin sehr froh über den Wohnungswechsel. Zum Anderen wollte ich nicht die alleinige Verantwortung tragen, da das ganze Projekt doch sehr kostspielig ist und ich gerne einen weiteren Ingenieur an meiner Seite hätte, um es fortwährend zu diskutieren und reflektieren. Ende September habe ich erneut Unterstützung und ich kann die Bauphase guten Gewissens einläuten.

Ab dem 05. August werde ich außerdem nicht mehr in Tansania sein, weil ich zuerst mein Zwischenseminar in Ruanda habe und im Anschluss direkt weiter nach Äthiopien reisen werde. In Äthiopien werde ich einen Monat bleiben, um natürlich das Schulprojekt des Vereins „Äthiopien- Verein Hilfe zum Leben e.V.“ zu besuchen und um bei einem Brunnenprojekt einer Projektgruppe von „Engineers without Borders“ der Uni Karlsruhe mitzuarbeiten. Ich freue mich schon wahnsinnig auf meine Reise und kann es kaum erwarten meine Freunde in Äthiopien wieder zu sehen. Zu dem Brunnenprojekt wird es ebenfalls eine ausführliche Berichterstattung geben. Nach meinem Aufenthalt in Äthiopien erwarte ich meine Oma und Mama in Ruanda (Kigali). Gemeinsam werden wir ungefähr zwei Wochen in Ruanda als auch Tansania verbringen. Ich werde ihnen natürlich mein neues Zuhause in Tansania zeigen und sie meinen Freunden hier vorstellen. Da mein Heimatort nah an der Grenze zu Ruanda liegt, ist es kein großer Akt mit Oma und Mama ein-und auszueisen.

In der letzten Zeit hat sich zudem eine wunderbare Chance aufgetan. Seit einigen Jahren ist Johann Eiber, der hier nur liebevoll Babu John genannt wird,  in der Region rund um Kayanga aktiv und für seine Bauprojekte, vor allem im Hinblick auf den Bereich Hydrologie, bekannt. Im Jahr 2013 hat er mit der Umsetzung eines weiteren Bauvorhabens begonnen und steckt seither seine ganze Zeit und Energie in die Projektrealisierung. Es handelt sich um ein Zentrum für körperlich und geistig erkrankte als auch traumatisierte Kinder jeglichen Alters. Die untere Etage des Gebäudes ist fast fertig und die ersten Kinder können schon bald einziehen.

Rückansicht Haupthaus
Rückansicht Haupthaus
Rückansicht Haupthaus
Vorderansicht Haupthaus
Seitenansicht Eingangsbereich Haupthaus

Zudem gibt es bereits einen gegrabenen Brunnen auf dem Gelände. Das Wasser wird derzeit zwar noch durch Muskelkraft mithilfe einer Kurbel und einem Eimer nach oben befördert, aber eine Solarpumpe soll bald installiert werden. Es gibt außerdem eine Drei-Kammer-Klärgrube, durch die ein ausreichendes Abwassermanagement gewährleistet ist. 2013 hat Babu John bereits mit der Kultivierung von zahlreichen Obst-und Gemüsepflanzen begonnen, sodass ein großer Garten zur Verfügung steht. In ein paar Jahren wird die Ernte so ergiebig sein, dass sich das Zentrum selbst versorgen kann und die Lebensmittel nicht extern erworben werden müssen. Da Babu John das ganze Vorhaben in Eigenleistung mit der Unterstützung von lokalen Arbeitskräften umsetzt, wird die Fertigstellung der zweiten Etage noch eine Weile in Anspruch nehmen. Die erste Etage soll schon von den Kindern genutzt werden, während die Konstruktion der zweiten Etage parallel erfolgt. Die Aufnahmekapazität ist daher leider noch sehr begrenzt. Ohnehin wird der Ansturm auf das Zentrum sehr groß sein, denn es ist bislang das einzige seiner Art rund um die Gemeindebezirke Karagwe und Kayera, die insgesamt fast 700.000 Einwohner umfassen. Da das Projekt mittlerweile vielen Menschen bekannt ist und diese auch von dem enormen Potenzial erfahren haben, ist es bereits vorgekommen, dass verzweifelte Mütter ihre Babys auf dem Gelände abgelegt haben. Die Mütter werden von der Hoffnung getrieben, dass ihre Kinder hier die nötige Unterstützung finden, die sich die meisten Familien hier auf dem Land sonst nicht leisten könnten. Das Baugelände befindet sich etwa eine Autofahrtstunde von Omurushaka entfernt und ist daher sehr abgelegen. Dennoch ist die Lokalisation perfekt, denn es gibt in unmittelbarer Nähe zu dem Zentrum eine Grundschule als auch eine Sekundarschule. So ist der Schulbesuch für die Kinder problemlos möglich, selbst körperlich beeinträchtigte Kinder können in die Schule gebracht und begleitet werden. Die umliegende Umgebung ist wunderschön und ein toller Platz für Kinder, um groß zu werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass das Zentrum sich auf dem Gelände eines Schwesternwohnhauses befindet. Bei den Ordensschwestern handelt es sich um die „unlimited love sisters“. Zukünftig werden sie auch für das seelische und körperliche Wohl der Kinder verantwortlich sein und das Zentrum nach Abschluss der Bauphase leiten. Ich bin mir sicher, dass die Schwestern die Aufgabe hervorragend umsetzen werden, da es ihnen aus religiösen Gründen nicht gestattet ist selbst Kinder zu gebären und sie daher sehr viel Liebe zu vergeben haben.

 

Da ich das Projekt gleich sehr ansprechend und unterstützenswert fand, habe ich Babu John gleich meine Hilfe angeboten. Da er bereits zahlreiche Projekte hier in der Region betreut und auch in Österreich über Jahre bei der Baufirma „Strabag“ Berufserfahrungen gesammelt hat, kann ich von ihm ebenfalls unglaublich viel für meine weitere berufliche Zukunft lernen. Nach unserem ersten Gespräch vereinbarten wird gleich einen Termin zur Baustellenbesichtigung. Babu John erledigte bislang, wie gesagt, alles alleine und war daher sehr dankbar über meine angebotene Unterstützung. Nach ein paar Tagen überraschte er mich jedoch mit einer Idee, die ich nun sehr gerne realisieren möchte. Auf dem Gelände befindet sich ebenfalls ein Gebäude, das die Regierung vor einiger Zeit bauen ließ. Der Bauprozess stoppte jedoch nachdem kein Geld mehr zur Verfügung stand, sodass sich das Gebäude derzeit noch im Rohbau befindet. Babu John machte mir den Vorschlag, das Projekt  als eigenes Projekt anzunehmen, um so zusätzlichen Raum für die Kinder zu schaffen. Mein Herz blühte bei dem Gedanken sofort auf, denn genau deshalb habe ich Bauingenieurwesen studiert und genau aus diesem Grund habe ich mich auf den Weg nach Tansania gemacht. Da das Gebäude bereits steht und die Arbeiten am und im Gebäude selbst überschaubar sind, könnten wirklich schon in ein paar Monaten die ersten Kinder einziehen. Das Gebäude möchte ich gerne mit zwei Wassertanks zur Regenwassernutzung und einer Drei-Kammer-Klärgrube komplettieren. Die Trinkwasserversorgung wird durch das Grundwasser aus dem Brunnen sichergestellt, es müssen lediglich noch die Leitungen verlegt werden.

Zur Projektumsetzung werden natürlich Gelder benötigt. Daher möchte ich, wenn ich wieder zurück in Tansania bin und Babu John mir die nötigen Unterlagen geschickt hat, gerne eine ausführliche Projektbeschreibung ausarbeiten und nach Deutschland schicken. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn dieses Projekt bereits bei dem Einen oder Anderen auf Interesse gestoßen ist und mich Jemand bei der Umsetzung unterstützen möchte. Ausführliche Informationen werden dann nach meiner Rückkehr folgen. Das oben aufgeführte Bildmaterial, das ich während meines Besuches auf der Baustelle gesammelt habe, zeigt das Haupthaus und das Gelände. Leider fehlt das Nebenhaus, für das ich bald verantwortlich sein soll, da bei der Besichtigung der Baustelle noch nicht die oben vorgestellte Idee existierte. Falls es schon Fragen gibt, immer her damit. Von meiner Seite kann ich nur sagen, dass ich hoch motiviert bin und von ganzem Herzen hoffe, dass ich dieses Projekt umsetzen kann, um den Kindern ein wundervolles Zuhause zu kreieren.

Bleibt gesund und munter

Sonnige Grüße aus Tansania

Eure Kathi