Erdbeben und Vogelspinne -neue Herausforderungen auf der Baustelle

Hinter uns liegt eine ereignisreiche Arbeitswoche (27.11 – 01.12) in Chabalisa, in der wieder viele Aufgaben erfolgreich umgesetzt und bewältigt werden konnten. Dazu war es zuvor enorm wichtig drei neue Handwerker (Joseph, Robert und Alex) einzustellen, sodass wir nun voller Stolz verkünden können, dass unser Team fortan aus zehn Arbeitern aus der direkten Umgebung besteht.

Das Team
Die Ordensschwestern mit zwei Kindern, die auf dem Gelände leben

Die Holzlattung für die Zwischendecke für das gesamte Gebäude konnte auch in der letzten Arbeitswoche (27.11 – 01.12) fertiggestellt werden. Notwendig für die Fertigstellung war die Lieferung neuer Baumaterialien, die am Mittwoch (22.11) auf der Baustelle eingetroffen war. Für die Lattung hatten wir in Kayanga neue Holzbalken bestellt. Die Beschaffenheit war dabei besonders relevant, um das Risiko eines zukünftigen Befalls von Schädlingen zu minimieren. Gemeinsam mit den Balken wurden auch die Zwischendeckenplatten als auch die Zierleisten aus Gips angeliefert. Die Zwischendeckenplatten können jedoch erst angebracht werden, sobald die Arbeiten für die Elektrik abgeschlossen sind, da die Verkabelung oberhalb der Zwischendecke verlaufen soll. Die Gefahr, dass die Platten aufgrund der Elektroinstallationsarbeiten brechen, wäre zu groß. Um die Kabel für die Lichtschalter und Steckdosen sauber zu verlegen, wurde letzte Woche bereits an entsprechenden Stellen der Putz aufgeklopft.

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Endspurt: Im Eingangsbereich werden die letzten Holzbalken für die Zwischendeckenplatten angebracht
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Aufklopfen der Wände aufgrund der Elektroinstallationsarbeiten

Der Elektriker ist am Sonntag (03.12) extra nach Mwanza, eine Großstadt, die eine Tagesreise entfernt liegt, gereist, um hochwertigen Elektromaterial zu erwerben. Dies ist vor allem von Bedeutung, um das Risiko eines Kabelbrandes zu reduzieren. Im Brandfall sollen jedoch auch Rauchmelder, die Anfang Januar den Weg aus Deutschland auf die Baustelle finden, die zukünftigen Bewohner warnen. In der Arbeitswoche zuvor (20.11 – 24.11) haben die Maurer auch die Feuerschutzwand fertiggestellt, die den hinteren, sich im Rohbau befindenden Gebäudeteil von dem vorderen, zukünftig genutzten Trakt komplett abtrennt. Durch die Wand wird nicht nur die Ausbreitung eines Schadenfeuers eingedämmt, sondern auch verhindert, dass die Fledermäuse, die im hinteren Gebäudeteil nisten, in den vorderen Gebäudetrakt gelangen. Die Mauerarbeiten in der Höhe erforderten besonderes Geschick, da alle Mauersteine einzeln nach oben geworfen und dort aufgefangen werden mussten. Der Mörtel wurde zudem in Eimern an einem Seil nach oben gezogen. Nach Fertigstellung der Feuerschutzwand hatten die Maurer in der Arbeitswoche (20.11 – 24.11) auch zwei neue Metallfenstergestelle eingemauert und sauber verputzt und anschließend mit dem Auftragen eines Oberputzes in sämtlichen Räumen begonnen.

Auftragen des Oberputzes

Derzeit verfügen alle fünf Kinderschlafräume über eingemauerte und fertig verputzte Metallfensterrahmen, drei von ihnen wurden auch schon gesäubert, lackiert und mit Glas versehen. Das Fensterglas sowie weiteres Equipment für diesen Arbeitsschritt mussten wir auch in Kayanga bestellen, nachdem die Einzelmaße für die Glasscheiben bekannt waren. In der letzten Arbeitswoche (27.11 – 01.12) konnten wir weitere fünf große Metallfenstergestelle für die Schwesternwohnung sowie acht kleine Metallfensterrahmen für den Sanitärbereich und die zwei Badezimmer im Schwesterntrakt in Auftrag geben. Es wurden bereits vier große und vier kleine Fenstergestelle geliefert, die auch schon teilweise eingemauert wurden.

Blick auf die fertige „Feuerschutzwand“
Gelieferter Metallfensterrahmen
Nacharbeiten an den Fenstern (Austausch der Fenstergriffe)
Eingebauter Metallfensterrahmen
Außenansicht Schwesterntrakt mit neu eingebauten Metallfensterrahmen
Außenansicht Kinderzimmer mit fertiggestellten Fenstern
Nahaufnahmen eines fertiggestellten Fensters ( aber noch mit falschen Fenstergriffen)

!Zur Info: Die Fenster wurden nicht falsch herum eingebaut. Wir haben es so gemacht, wie es in Tansania üblich ist.

Nachdem die Arbeiten an der Holzlattung für die Zwischendecke im gesamten Gebäude abgeschlossen waren, haben sich die beiden Zimmermänner dem Einbau von bereits gezimmerten Türen, die zuvor mit den notwendigen Schlössern und Griffen ausgestattet wurden, gewidmet. Es war gar nicht so leicht, qualitativ hochwertige Türschlösser und –klinken zu finden. Letztendlich haben wir uns für importierte Türschlösser und –klinken aus Italien entschieden, was zur Folge hatte, dass diese teurer waren als die gezimmerte Tür selbst. Babu hatte einige Tage zuvor schlechte Erfahrungen mit wesentlich günstigeren aber auch qualitativ schlechteren Einbauschlössern und Türgriffen gemacht. Zudem konnte letzte Woche mit einem weiteren Teilprojekt begonnen werden. Wie bereits mehrfach erwähnt, soll das Gebäude mit zwei Wassertanks zum Auffangen des Regenwassers über die Dachflächen ausgestattet werden. Es wurde nun damit begonnen das Areal für den ersten Regentank vorzubereiten, der rund 34000 Liter fassen wird. Im ersten Schritt wurde der Bereich von Gestrüpp und großen Stauden befreit, im Weiteren haben die Arbeiter die ersten Kubikmeter Erde abgetragen. Der Tank wird eine Höhe von über 3,0 Metern und einen Durchmesser von rund 4,40 Metern aufweisen.

Blick auf die Kinderschlafräume und die gezimmerten Türen
Säubern des Geländes auf dem der Regentank gebaut wird
Erdaushub für die Konstruktion des Regentanks

Außerdem sahen wir uns dieser Woche mit einigen Herausforderungen konfrontiert, die auf einer deutschen Baustelle nicht zu den alltäglichen Problemen zählen. Zuerst überraschte uns ein Erdbeben, das uns in der Nacht von Samstag (25.11) auf Sonntag (26.11) ziemlich beunruhigt hatte. Wir wurden von einem tiefen Grollen aus dem Schlaf gerissen, als die Erde zu beben begann. Zum Glück war das Beben nur von kurzer Dauer und richtete keinen Schaden auf der Baustelle und an unserem Wohnhaus an.  Wir konnten nach dem Beben drei Schwalbenküken retten, die mit dem Nest von unserem Dach gefallen waren. Gemeinsam mit Babu haben wir ein provisorisches Nest gebaut, das die Vogeleltern glücklicherweise annahmen. Unsere tierischen Begegnungen gingen am Dienstag (28.11) weiter. Beim Fegen erlitt ich den Schrecken meines Lebens, als ich eine Vogelspinne im Haus entdeckte. Ich wollte die Schauermärchen bis jetzt nicht glauben, dass solche großen behaarten Spinnen auch hier heimisch sind. Jetzt wurde ich jedoch hautnah eines Besseren belehrt. Am Mittwoch (29.11) wurde unsere Baustelle von einer millionenstarken Kolonie Riesen-Ameisen heimgesucht. Diese kleinen Monster hielten uns ziemlich auf trapp, denn wir mussten öfter die Hosen runterlassen, nachdem die Tierchen sich in unseren Beinen festgebissen hatten. Mir war nicht bekannt, dass Ameisen so aggressiv sein können, geschweige denn, dass sie sich festbeißen können. Das Kennenlernen der tierischen Bewohner der Region fand Donnerstag (30.11) seinen Höhepunkt, als wir frühmorgens eine lange Giftschlange vor dem Gebäude entdeckten. Unsere Handwerker waren direkt in Alarmbereitschaft versetzt und hackten die Schlange mit einer Machete in zwei Stücke. Unser Versuch die Ameisenkolonie mit dem Kadaver zu ködern und von der Baustelle wegzulocken, war leider nur mit mäßigem Erfolg gekrönt.

Ich hoffe ich konnte euch durch meinen Bericht einen Einblick in die neusten Entwicklungen rund um das Projekt in Chabalisa geben. In zwei Wochen werdet ihr wieder was von mir hören.

Bis dahin, wünsche ich allen Lesern eine schöne Vorweihnachtszeit

Eure Kathi

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2 Gedanken zu “Erdbeben und Vogelspinne -neue Herausforderungen auf der Baustelle

  1. Michael

    Hallo Kathi
    bei dir ist ja immer was los, Langeweile kennst du glaube ich jedenfalls nicht. Toller Bericht und Bilder, bin jetzt schon gespannt auf deinen nächsten Bericht. Gruß Michael

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    1. Hallo Michael, vielen Dank für das positive Feedback. Ja Langeweile ist bislang noch nicht aufgekommen. In der Arbeit gehe ich komplett auf und ich bin sehr froh so eine tolle Chance erhalten zu haben. Ich hoffe zuhause ist alles in bester Ordnung. Ich wünsche euch eine tolle Vorweihnachtszeit. Liebe Grüße Kathi

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