Besuch von Oma und Mama

Hallo ihr Lieben,

heute melde ich mich mit einer Zusammenfassung meiner Urlaubsreise mit Mama und Oma. Die beiden waren nun zum zweiten Mal in Afrika um mich zu besuchen. Das erste Mal ging es für die Zwei Anfang 2016 nach Äthiopien, dieses Mal erkundeten wir gemeinsam Ruanda und meine neue Heimat Tansania.  Kaum zu glauben, dass meine Oma erneut diese Reise angetreten hat, denn sie ist mittlerweile schon 82 Jahre alt. Dennoch schlägt sie sich immer noch sehr tapfer und ist, wie ihr Arzt schon sagte „unkaputtbar“.  Am 16.09. hatte ich meinen Rückflug aus Äthiopien angetreten und bin über Burundi nach Ruanda geflogen. Dort habe ich schon unser Hotelzimmer inspiziert und auf beide ein paar Stündchen gewartet. Die Zwei sollten eigentlich bereits gegen 20:30 Uhr in Kigali landen, aber sie ließen ziemlich lange auf sich warten, denn der Flug hatte mehr als zwei Stunden Verspätung. Die Aufregung stieg dann weiter an, als endlich der Flug aus Brüssel auf der Anzeigetafel erschien. Freudig und mit einem selbst gemalten Willkommensgruß empfing ich Oma und Mama schließlich in Kigali am Flughafen. Das erste Wiedersehen nach einem halben Jahr Afrika. Zum Glück sahen beide noch so aus wie vor meiner Abreise, sodass ich sie ohne Probleme wiedererkannt habe. Da es schon sehr spät war, ging es für uns gleich ins Hotel. Hier wurden erst mal allerlei Mitbringsel ausgetauscht und es wurde natürlich pausenlos geschwätzt. An dieser Stelle möchte ich mich auch schon mal recht herzlich bei allen lieben Menschen bedanken, die mir diverse Geschenke haben zukommen lassen. Ihr seid soooo lieb! Mama und Oma hatten ebenfalls allerlei Leckereien dabei, über die ich mich ebenfalls wahnsinnig gefreut habe, denn wie so oft schon berichtet, sieht es essentechnisch in Tansania nicht so gut aus. Nachdem wir drei todmüde ins Bett gefallen sind, ging es am nächsten Tag für uns schon früh weiter, denn meine Neugier auf alle Nachrichten aus der Heimat war grenzenlos, sodass ich die beiden schon bei Sonnenaufgang mit Fragen bombardiert habe. Die Anreise erwies sich doch als sehr anstrengend, daher haben wir uns dafür entschieden, den Sonntag gemütlich im Hotel zu verbringen.  Da wir alle sehr gerne Gesellschaftsspiele spielen, folgte ein Duell nach dem anderen.  Am Abend sind wir zum Essen ausgegangen und hatten aufgrund der witzigen Schnappschüsse, die wir von uns machten, eine Menge Spaß. Da Oma mit ihren schneeweißen Haaren immer schnell im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, kamen wir schnell mit den Leuten in Kontakt. Die meisten sind hin und weg, wenn sie auf meine Oma treffen, denn sie begeistert die Menschen mit ihrer Art und das, obwohl sie kein Englisch spricht und versteht. Wenn die Leute dann noch erfahren, wie alt sie wirklich ist, kommen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Endlich wieder vereint

Am Montag haben wir das Genozid-Museum in Kigali besucht, welches 2004 als Mahnmal für den Völkermord eröffnet wurde. Das Memorial Center ist nicht nur ein Museum, das die Grausamkeiten von 1994 durch zahlreiches Bild-und Tonmaterial archiviert, sondern auch eine Gedenkstätte für alle Menschen, die in dieser Zeit einen geliebten Angehörigen verloren haben. Auf dem großen Gelände befinden sich zudem auch Massengräber, in denen 250.000 Menschen begraben wurden. Bislang konnten nur diese Leichen gefunden und anständig begraben werden. Noch bis heute werden große Anstrengungen unternommen, um die Überreste aller Ermordeten zu finden, um auch diese bestatten zu können. Besonders für die Angehörigen sind die Identifizierung und ein anständiges Begräbnis wichtig, da dies bei der Verarbeitung dieser Tragödie hilfreich ist. In einer Periode von 100 Tagen ermordeten damals die Hutu systematisch und überaus brutal über eine Million Tutsi. In den Museumsräumen wird erklärt, wie es zu dem Völkermord kam, d. h., wie sich die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen verschärften, was den Völkermord letztendlich auslöste und wie die Tragödie unter dem wachsamen Auge einer bedeutenden Friedenstruppe der Vereinten Nationen zum vollen Ausbruch kam. Da der Genozid in Ruanda leider nur einer von vielen grausamen Völkermorden in der Weltgeschichte ist, gibt es zudem noch Ausstellungsräume, die über weitere düstere Kapitel weltweit berichten (z. B. Holocaust, Vietnam, Jugoslawien). Der Besuch hat uns zu tiefst erschüttert, denn das, was man dort auf den Bildern und Videoaufnahmen zu sehen bekam, übersteigt jeglichen menschlichen Verstand.

Am Mittwoch (20.09) ging es für uns in den Akagera Nationalpark, der nur etwa zwei Autostunden von Kigali entfernt liegt. Der Park ist etwa 900 km² groß und liegt auf einer Höhe zwischen etwa 1300 und 1800 m Höhe. Zum Park gehören neben den Grassavannen im Norden, die viele Akazien beherbergen, auch Busch- und Baumsavannen im Süden sowie Feuchtgebiete und Sümpfe, die vom Akagera Fluss gebildet werden. Schon früh morgens haben wir uns auf den Weg gemacht, um möglichst viel an einem Tag vom Park und seinen tierischen Bewohnern zu sehen. Nur nach wenigen Minuten Fahrt im Park wurden wir von einer Herde Affen begrüßt. Im Akagera Park leben 11 verschiedene Antilopenarten, sodass uns diese Tiere immer wieder über den Weg liefen, mal alleine und mal in großen Herden. In Seenähe konnten wir viele Flusspferde und Krokodile beobachten. Zahlreiche Zebras und Büffel kreuzten zudem unseren Weg. Nach langem Suchen haben wir sogar drei Giraffen gesichtet, die sich leider, aufgrund des Wetters an diesem Tag, ziemlich gut versteckt hatten. Oma meinte sogar in der Ferne einen Elefanten gesichtet zu haben, fügte aber hinzu, dass es sich hierbei wohl nur um eine Fata Morgana gehandelt haben muss. Ein paar Tage später wurden wir jedoch von Omas scharfsinnigen Blick eines Besseren belehrt, denn sie war auch die Einzige, die auf dem Weg zu meinem Zuhause in Tansania, eine kleine Gruppe Giraffen entdeckte. Mittlerweile sind wir überzeugt, dass es sich bei Omas Wahnvorstellungen im Akagera Park doch tatsächlich um einen Elefanten gehandelt haben muss, den Mama und ich vor lauter Sucherei nicht entdeckt hatten.

Am Samstag den 23.09. haben wir unser schönes Hotel in Kigali verlassen, um uns auf den Weg nach Tansania zu machen. Da die Straßen in Ruanda in einem sehr guten Zustand sind, konnten wir ohne Probleme an die Grenze fahren und dann fing das Chaos an.  Wir drei Damen mussten, an der Grenze angekommen, erst mal mit unserem gesamten Gepäck durch eine Kontrolle. Alle Sachen mussten abgelegt und durchleuchtet werden, sämtliche Gepäckstücke mussten sogar zur Durchsuchung geöffnet werden. Diese Prozedur dauerte angesichts der zahlreichen Gepäckstücke und des tansanischen Arbeitstempos eine halbe Ewigkeit. Nachdem endlich alle Koffer wieder geschlossen werden konnten, ging es weiter mit dem Visumsprozess. Dies nahm ebenfalls einige Zeit in Anspruch, da scheinbar samstags in Tansania langsamer gearbeitet wird. Wir haben wirklich sehr lange warten müssen und das war sogar für mich ungewohnt. Denn auch wenn das Arbeitstempo hier in Tansania nicht mit dem uns bekannten zu vergleichen ist, laufen diese Prozesse sonst immer schneller ab. Wir drei waren heil froh, als die Fahrt endlich weiter ging. In Tansania angekommen, fiel Mama und Oma gleich ein großer Kontrast zu Ruanda auf. Neben der weitaus schlechteren Qualität der Straßenbeschaffenheit, herrscht in Tansania Linksverkehr. Über Buckelpisten kamen wir unserem Ziel immer näher. Der Weg von Rusumo, dem Grenzübergang von Ruanda nach Tansania, nach Karagwe, meiner Heimat in Tansania, führt durch ein Gebiet natürlichen Ursprungs, das die Heimat vieler afrikanischer Wildtiere ist. Wir waren alle drei ziemlich überrascht, als Oma plötzlich drei Giraffen am Straßenrand entdeckte. Wir hätten niemals gedacht, dass wir diesen Tieren mal so nah kommen, denn selbst im Nationalpark lag zwischen uns und den Tieren eine weitaus größere Distanz. Die Giraffen hielten sich etwa in 10 Metern Entfernung von uns auf und waren fleißig dabei die Blätter der Baumkrone zu verspeisen.  Diese einzigartige und unverhoffte Begegnung entschädigte uns definitiv für die Unannehmlichkeiten am Grenzübergang. Gegen Abend haben wir schließlich meine neue Heimat erreicht und ich war wirklich aufgeregt, was Oma und Mama wohl dazu sagen werden. Da alles sehr ländlich ist, ist der Kontrast zu Deutschland natürlich enorm. Wir waren den ganzen Tag unterwegs, sodass wir abends, ohne jegliche Erkundung der Umgebung, glücklich und zufrieden ins Bett gefallen sind. Da wir nur drei Tage hier verbracht haben, hatten wir uns dazu entschieden, uns ein kleines Zimmer und ein Bett im Gästehaus auf dem Gelände der Mavuno Girls Secondary School zu teilen. Schnell wurde klar, wer zuerst schläft, hat gewonnen, weil er die Schnarchkulisse der anderen Bettinsassen nicht ertragen muss. Am nächsten Tag haben Oma und Mama gleich den ländlichen tansanischen Alltag kennengelernt, denn es gab morgens kein Wasser. Da ich mittlerweile sehr erprobt im Umgang mit dieser Problematik bin, habe ich ihnen ein paar Kniffe gezeigt, um das Problem zu relativieren. Denn wenn man sich zu dritt ein kleines Bad ohne Wasser teilt, kann es schnell spaßig werden, wenn jemand auf der Toilette war. Gegen Mittag ging es für Oma und Mama nach Chabalisa. Das kleine Dorf beherbergt mein neues Projekt, das Zentrum für geistig und körperlich erkrankte aber auch traumatisierte Kinder jeglichen Alters. Auf der unbefestigten und unwegsamen „Straße“ dorthin, kamen die beiden an ihre Grenzen, denn es war eine sehr holprige und anstrengende Fahrt. Zwischenzeitlich hatte ich sogar ein schlechtes Gewissen, dass ich die beiden ins Auto gepackt habe, um ihnen das Projekt zu zeigen. Dies war jedoch nach unserer Ankunft schnell vergessen, denn was sie dort sahen, begeisterte sie sehr. Während ich die beiden übers gesamte Gelände und durch die Räumlichkeiten führte, erklärte ich zudem deren Funktion und wie die weiteren zukünftigen Baumaßnahmen aussehen sollen. Wer sich noch mal näher über das Projekt informieren möchte, findet bereits einen Blogeintrag dazu. In ein paar Wochen wird ein neuer Eintrag, speziell zu den konkreten Baumaßnahmen veröffentlicht werden. Nach wie vor würde ich mich wahnsinnig über externe Hilfe freuen, denn für die Verwirklichung alle geplanten Bauvorhaben sind etwa 10.000 Euro notwendig. Auch hier gilt wieder, dass ich weitere Fragen zum Projekt gerne beantworte.

Das Gebäude, das ich zukünftig ausbauen und erweitern darf

Sanitärräume
Blick auf die Zugänge zu den Zimmern der Kinder
Lattung für Zwischendeckenplatten

Der Montag stellte unseren letzten Tag in Tansania dar, an dem die Spendenübergabe der mitgebrachten Feuerwehrausrüstung, die großzügigerweise von der Stadt Kreuztal gesponsert wurde, stattgefunden hat. Dazu habe ich jedoch einen separaten Blogeintrag hochgeladen. Nachdem wir am 26.09. wieder zurück nach Kigali gefahren sind, stand für uns nur noch Erholung auf dem Programm. Wir haben es uns noch in einem schönen Hotel gut gehen lassen und die Zeit gemeinsam genossen. Das nächste Mal sehen wir uns ja erst in einem halben Jahr wieder. Oma und Mama, es war schön, dass ihr mich erneut in Afrika besucht habt. Ich bin so stolz euch beide zu haben und bedanke mich für all die Unterstützung und Hilfe.

Kochbananen

„Kiti moto“ (Gekochtes Schweinefleisch in würziger Soße mit Kochbananen)

Liebe Grüße

Eure Kathi

 

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2 Gedanken zu “Besuch von Oma und Mama

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